Der Duft vom Tod…

Gerade war ich in Deutschland, mal wieder, genauer gesagt in NRW. Ich liebe es, ich bin gern dort, ich mag die Menschen, die Umgebung. Im Teutoburger Land kann man schliesslich prima wandern, ja eines meiner grössten Hobby‘s.
Ich komme oft an den gleichen Ort, kenne mich aus. Schon lange ist mir ein Grundstück aufgefallen, abgelegen, am Ende einer kleinen Strasse, gesäumt von einem kleinen Waldstück… verborgen hinter Mauern… Eine Tatsache, die mich bereits als Kind neugierig gemacht hat. Kennt ihr das Gefühl? Man weiss genau da ist etwas, was es auch sei, etwas verbotenes, schlechtes, grauenhaftes, geheimnisvolles, aber… man muss es unbedingt ergründen? Manchmal ist es besser man tut es nicht, aber mich ließ es nicht los, dieses mal wollte ich es wissen.

Ich ging in das nebenliegende Waldstück und suchte eine Stelle, wo ich einen kleinen Einblick auf das Grundstück erhaschen konnte. Ich sah ein wunderschönes Haus, ein Riesengrundstück und… eine Anlage von vielen, endlos aneinandergereihten „kleinen Häuschen“. Ein übler süsslicher Gestank wehte herüber… ich ahnte Böses. Im Grunde wusste ich bereits, was ich dort gefunden habe, wahrhaben wollte ich es trotzdem nicht.

Ich ging nach Hause mit einem unguten Gefühl, suchte im Internet die Adresse und… fand sie. Meine Vorahnung hatte sich leider bestätigt, auf dem Grundstück befindet sich eine Nerzfarm. Obwohl ich es bereits wusste, war ich schockiert, die Bilder liessen mich nicht schlafen, die ganze Nacht sah ich diese, auf engstem Raum zusammengepferchten Tiere in ihren Drahtkäfigen. Ich spürte richtig körperlich ihr Leid in mir, ich konnte nur noch heulen…

Bereits am nächsten Morgen zog es mich wieder dorthin, zum Ort den Grauens. WARUM? Warum tut sich ein Mensch das an? Ich weiss es nicht. Vielleicht wollte ich nur einmal ins Gesicht dieser Horrormenschen, dieser Tierquäler sehen? Ich trieb mich auf der Strasse vor dem Grundstück herum. Der beissende Geruch von Qual und Tod überzog die Gegend. Irgendwann nährte sich ein schickes Auto, ich versuchte möglichst unauffällig zu sein, um nicht die Aufmerksamkeit zu erregen. Bereits bei meiner Recherche im Internet hatte ich gelesen, dass die Leute „nicht ohne“ sind und sehr aggressiv reagieren, bereits mehrere Tierschützer wurden auf dem Grundstück eingesperrt und mussten von der Polizei befreit werden.

Okay ich befand mich ja auf einer öffentlichen Strasse, niemand konnte mir was… Das Auto kam näher, am Steuer eine ältere aufgestylte Tussi im Pelzmantel. Mir wurde übel, ich musste mich übergeben… Ich glaube, man muss es nicht beschreiben, welche Gefühle in einem solchen Moment in einem aufsteigen. Man möchte schreien vor Schmerz, man möchte was tun, aber… man ist im Unrecht (oder vielleicht NICHT MEHR?)! Man DARF ja nichts tun, nichts ausser still mitzuleiden, denn eine solche Tierquälerei ist -für einige Farmen NOCH- legal, völlig legitim!

Eine Tatsache, die ich nicht verstehen kann, in Europa, in Westeuropa… Mitten in Deutschland… ein Land wo man sich Tierschutz quasi auf jede Fahne schreibt. Wie kann man so etwas zulassen? Ich verstehe es nicht und es macht mich wütend!

Unsere Methoden der Massentierhaltung zur Fleisch- Milch- Eiergewinnung sind wahrlich grausam genug, aber Tiere zu quälen, nur damit irgendwelche Tussis Pelzmäntel tragen können, setzt dem Wahnsinn wirklich die Krone auf! Welch grausame Kreaturen sind Menschen?

Die Tiere werden geboren, eingepfercht, haben nicht eine Sekunde ihres kurzen Lebens einen glücklichen oder artgerechten Moment.

Und dann? Jetzt, ganz bald ist es wieder soweit, Oktober-Dezember… die „Ernte“ beginnt… tausende Tiere werden in Kisten zusammengesperrt, schreien in Todesangst… bis es still wird… sie wurden vergast…

Doch es gibt Hoffnung…

Zwei Nerzfarmer aus Borken und Hörstel in NRW, die ca. 12.000 Tiere hielten, haben ihren Gerichtsprozess am 9. März in Münster verloren und müssen schliessen. (Urteil Verwaltungsgericht in Münster 1 K 1146/11 ) Beide weigerten sich die neue “Nutztierhaltungsverordnung” zu berücksichtigen, welche 2006 beschlossen wurde und im Dezember 2011 in Kraft trat. Weiterhin muss jedes Nerzgehege ab 2017 ein Schwimmbecken, sowie Nestkästen und Tunnelröhren haben und pro Nerz wird ein Mindestraum von 1qm vorgeschrieben. Die erforderlichen Umrüstungen werden die Kosten in die Höhe treiben, so dass  die Nerzhaltung für den Betreiber hoffentlich unrentabel wird.
Auch die Nerzfarm Gütersloh wird 2013 schließen. Aktuell klagen weitere 4 Pelzfarmen gegen die Nutztierhaltungsverordnung und werden somit aktuell illegal betrieben!

Recherchen des Deutschen Tierschutzbundes haben ergeben, dass es zurzeit noch 12 -offizielle- Pelztierfarmen in Deutschland gibt, in welchen vor allem Nerze (ca. 200.000 Tiere), aber auch Füchse, Chinchilla und Sumpfbiber gehalten werden. Seit 2007 haben zwar 17 Pelztierfarmen geschlossen, ein Großteil der verbliebenen klagt allerdings aktuell gegen die geltenden höheren Tierschutzauflagen und weigert sich diese umzusetzen.

Die Farmen sind regional unterschiedlich angesiedelt. So gibt es Bundesländer, in denen es keine einzige Pelztierfarm mehr gibt, so z. B. Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Bayern. Fünf der Farmen, also fast die Hälfte, liegen dagegen in Nordrhein-Westfalen.

Vier große Farmen gehören zu einer GmbH, deren Mitinhaber gleichzeitig Präsident der deutschen Pelztierzüchter ist. In diesen Farmen werden allein ca. 62.000 Nerze gehalten. Die beiden größten deutschen Farmen mit ca. 40.000 und 35.000 Nerzen, liegen in Mecklenburg-Vorpommern und gehören zusammen einem Besitzer.

Derzeit befinden sich in Deutschland noch Pelztierfarmen in folgenden Regionen:

Brandenburg
Frankenförde: Nerzfarm (25.000 Nerze)

Mecklenburg-Vorpommern
Wesenberg-Zirtow Nerzfarm (40.000 Nerze), größte Farm Deutschlands
Güstrow-Klueß Nerzfarm (35.000 Nerze)

Nordrhein-Westfalen
Rahden Nerzfarm (4.000 – 6.000 Nerzfarm
Gütersloh-Spexard (4.000 Nerze)
Bielefeld-Vilsendorf Nerzfarm (12.000 Nerze)
Borken-Gernenwirte Nerzfarm (20.000 Nerze)
Hörstel-Gravenhorst Nerzfarm (4.000 Nerze)

Sachsen
Seelitz-Döhlen Nerzfarm (12.000 Nerze)

Sachsen-Anhalt
Söllichau Nerzfarm (22.000 Nerze) + Fuchsfarm
Grabow bei Magdeburg Nerzfarm (15.000 Nerze)

Schleswig-Holstein
Neuenkrug Nerzfarm (12.000 Nerze)

Die Situation verändert sich ständig, es hilft nur, wenn jeder die Augen offen hält und nicht einfach wegschaut! Wer Pelztierfarmen bemerkt, die neu eröffnet werden bzw längst geschlossen sein sollten, aber immer noch in Betrieb sind, bitte beim Tierschutzbund melden! Nur so ist es möglich, letztendlich ein Verbot der Pelztierhaltung in Deutschland zu erreichen.

Danke für‘s lesen und -hoffentlich- mitmachen. Ich werde die Augen offen halten und berichten.


Update 05.03.2013: Fortsetzung:
Der Fall Peter Wijnands

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12 Kommentare zu „Der Duft vom Tod…

  1. Mich machen solche Bilder auch immer sehr traurig und deshalb kann ich sie mir gar nicht anschauen. Schrecklich, die Massentierhaltung müsste generell verboten werden.

    Bleib dran. Liebe Grüße Piri

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