Der Fall Gustl Mollath

Erinnert ihr euch noch an Gustl Mollath, der Mann, der sieben Jahre in der Psychiatrie war, trotz zahlloser Widersprüche in den Gerichtsakten. Unschuldig oder schuldig? Damals soll er ja seine Frau angegriffen haben, aber auch daran soll es ja erhebliche Zweifel gegeben haben. Wurde er in Wahrheit wirklich nur weggesperrt, weil er krumme Geschäfte der Bank aufdeckte?

Fakt ist ja mal, dass der Fall ziemlich absurd war und im Grunde vor allem eines zeigte: In der Psychiatrie kann man schneller landen als man schauen kann, egal ob man schuldig ist oder nicht. Wir alle sind doch irgendwie der Willkür irgendwelcher Gutachter ausgeliefert.

Das Verfahren wurde jetzt wieder aufgenommen, die Verhandlung läuft, doch Mollath weigert sich auszusagen solange Gutachter Norbert Nedopil, der Münchner Psychiater, anwesend ist. Irgendwie auch verständlich, für den Richter aber anscheinend nicht.

Interessant fand ich auch das Interview mit Norbert Nedopil, vor allem so Aussagen wie:

„…Wie lange dauert denn sonst eine Sitzung bei Ihnen?
Es dauert immer lang. Ich würde nicht nach nur einer Stunde eine für Sie wichtige Lebensentscheidung treffen. Keiner soll denken, ich hätte mich gar nicht richtig mit ihm befasst. Ich selbst würde so eine Prozedur übrigens nie über mich ergehen lassen.

Warum nicht?

Das sollten Sie nicht schreiben, wäre ja geschäftsschädigend. Wenn ich etwas getan habe, dann stehe ich dazu und muss mich in die Hände des Gerichts begeben. Aber ich muss nicht auch noch meine Seele vor denen entblättern….“

Schon komisch, dass man selbst nie tun würde, wozu man andere quasi zwingt…

„…Also nimmt man in Kauf, dass der Großteil der Täter in Haft bleibt, obwohl sie niemandem mehr gefährlich werden würden?
Ja, das ist der Missbrauch der Psychiatrie zum Wohle der Bevölkerung…“

Die Frage ist vielleicht auch, wieviele Menschen wirklich unschuldig in der Psychiatrie festgehalten werden, weil sie einfach einem „Gutachter-Irrtum“ zum Opfer fielen?

Noch interessanter dieser Abschnitt:

„… Als der Mann hier bei mir saß, bekam er leuchtende Augen, als er erzählt hat, wie er die Prostituierten langsam erdrosselt hat. Er hat mit Erregung erzählt, mit trockenem Mund. Da empört sich jetzt der Laie: So gestört ist der! Für mich aber bedeutet es: Ich bin auf der richtigen Fährte!…

In diesem Moment bekommt Norbert Nedopil selbst ganz glänzende Augen
…“

Na wenn das mal ein anderer Gutachter sehen würde, der könnte einem doch glatt einen Strick draus drehen…

Das ganze Interwiev nachlesen.


Gustl Mollath / Neues aus der Anstalt

Ich würde mit Sicherheit nicht empfehlen einem Psychiater zu vertrauen…

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18 Kommentare zu „Der Fall Gustl Mollath

  1. Begutachtende Psychologen werden berufen, nicht aggeditiert. Es gibt keine Prüfungen dafür.

    Am Ende des Tages entscheiden sie über den Ausgang eines solchen Verfahrens. Der Richter wendet dann nur noch das Strafmaß an.

    Alles nicht so einfach als „Täter“

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  2. Ich habe den Fall Gustl Mollath auch verfolgt und bin entsetzt, was da alles falsch gelaufen ist. Es ist wirklich schlimm, wenn man unschuldig in den Fängen der Justiz landet.

    LG Piri

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  3. Ich habe immer mal wieder den Fall verfolgt und das, was Du hier zitiert hast, ist der absolute Knaller! Wieso muß so jemand keinen Schadenersatz leisten, immerhin ist der Mann in jeglicher Hinsicht ruiniert??? Wie war das, der Staat diene dem Wohle seines Volkes? Irgendwo haben die ihren Job verfehlt…

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  4. Ach komm, in der Verfassung steht auch so Unsinn wie: die Würde des Menschen ist unantastbar oder der Richter sagt auch bei der Urteilsverkündung: im Namen des Volkes… Weiss auch nicht unter welche Lügenparagraphen man das behandeln sollte.

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  5. Stimmt, wie konnte ich den Punkt nur übersehen – normalerweise verläßt man sich auf Versprechen, vor allem in der Größe!

    Das Dumme aus meiner Sicht ist, das SO viel in den Gesetzestexten drin steht, und so viele Was-wenn’s, das man das sehr gut zurechtbiegen kann.

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