Rotkäppchen…

by JanJan
by JanJan

Rotkäppchen… für Psychologen…
Der vorliegende Fall, mit dem sich bereits namenhafte Psychologen beschäftigten, zeigt einmal mehr, welchen enormen Einfluss frühkindliche Prägungen auf die spätere Selbstfindung innerhalb der Gesellschaft haben. Das 9-jährige Mädchen, mit dem alles begann, hatte den Fetisch einer Roten Kappe zu eigen, die sie ständig trug und ihr so den Spitznamen Rotkäppchen einbrachte.

Um ihre Handlungsmuster besser verstehen zu können, muss gesagt werden, dass sie nach dem frühen Tod ihres Vaters als Einzelkind von ihrer Mutter in eine Ersatzrolle geschoben wurde, mit der sie altersmäßig überfordert war. Da ihr außerdem ein gesundes Leitbild zur eigenen Identitätsfindung fehlte, wurde bereits im Alter von ca. 5 Jahren die Grundlage zu einem hysterisch-depressiven Wesen geschaffen.



Eines Tages beauftragte ihre Mutter Rotkäppchen, der hypochondrischen Großmutter, die durch ihr psychosomatisch bedingtes Hüftleiden so gut wie ans Bett gefesselt war, die täglichen Psychopharmaka zu bringen. Rotkäppchen, deren Unfähigkeit Bedürfnisspannen zu ertragen der Mutter unterbewusst durchaus bekannt war, wurde von ihr aufgefordert, sich nicht von ihrer Wunschbesessenheit und dem Drang zur Sofortbefriedigung überwältigen zu lassen, sondern auf direktem Wege zur Hütte der Großmutter zu gehen.

Rotkäppchen gehorchte auch, bis sie einem großen, ungepflegten Wolf begegnete. In ihrer vorpubertären Naivität erkannte sie seinen äußerst stark erlebten Impuls zur Überkompensation von Aggressivität nicht. Er schlug vor, der Großmutter einen Strauss Blumen von der nahegelegenen Wiese zu pflücken, denn als allgemeingesellschaftliches Symbol für Zuneigung würde dieser vielleicht die Angst der alten Frau mildern, nicht wirklich geliebt zu werden.

Als das naive Mädchen begann, gemäss ihrer persönlichen Farbpräferenzen Blumen auszuwählen, machte sich der Wolf auf den Weg zur Großmutter und sein aggressives Energiepotential entlud sich spontan, indem er die alte Frau auf der Stelle fraß. Als Rotkäppchen die Huette betrat, bemerkte sie – als Selbstschutz bereits abgestumpft im Umgang mit der kränkelnden Frau – keinerlei Veränderung.

Lediglich einige unwesentliche Äußerlichkeiten wurden ihr intuitiv bewusst und so fragte sie:

„Großmutter, warum hast Du so große Augen ?“

„Damit ich Deine Körpersprache besser analysieren kann.“

„Aber Großmutter, warum hast Du so große Ohren ?“

„Damit ich Deine Ängste besser verstehen kann.“

„Und – warum hast Du so einen großen Mund ?“

„Damit ich Dir bessere Tipps für Deine Ich-Findung geben kann.“

Mit diesen Worten verschlang der Wolf das Mädchen und fiel alsbald in einen traumlosen Schlaf. Nun ereignete es sich zur selben Zeit, dass S. Freud dem Ursprung des Über-Ichs auf der Spur war, den er ganz in der Nähe dieser Hütte vermutete. Als er das laute Schnarchen des Wolfes hörte, fühlte er sofort, dass nur ein Wesen mit einer starken schizoiden Ausprägung solche Töne von sich geben könne. Immer auf der Suche nach aussagekräftigen Beispielfällen für sein neues Buch betrat er die Hütte, weckte vorsichtig den Wolf und versprach ihm 50 kostenlose Therapiestunden, wenn er ihm seine Lebensgeschichte erzählte.

Das nun Folgende ist ein erschreckendes Beispiel für die Auswirkungen intrafamiliärer Spannungen auf die Entwicklung eines Welpen. Als Kleinstwolf von nur wenigen Wochen verließ sein Vater das Rudel und die Mutter begann ein Verhältnis mit einem gefürchteten Pittbul Terrier aus Hannovers Innenstadt. Dessen raue, um nicht zu sagen, brutalen Umgangsformen gegenüber den Welpen beeinflussten deren zart-sensibles Gefühlsleben nachhaltig. Da sie in der Folgezeit nicht die benötigte Atmosphäre der Geborgenheit fanden, um ein Urvertrauen in das Leben zu entwickeln, blieb die allererste Du-Findung aus und es entstand ein tiefes Misstrauen gegen die Welt sowie das permanente Gefühl, sich zur Wehr setzten zu müssen.

Die latente Unfähigkeit, adäquat zu kommunizieren verhinderte die spätere psychosoziale Selbstfindung. Nach zwei gescheiterten Hypnoseversuchen, mehreren Zeichnungen und einem sehr intensiven Gespräch gelang es dem Meister der Psychoanalyse jedoch, das so lange vor der Umwelt versteckte, mitfühlende Ich des Wolfes anzusprechen und dieser übergab sich gerade noch rechtzeitig, um Rotkäppchen und seine Großmutter lebend herauszuwürgen.

Da Freud unmöglich alle drei Personen betreuen konnte – immerhin waren traumatische Folgen zu erwarten – holte er schnell einige Kollegen zur Stelle, um eine persönliche Betreuung während und nach dem Abklingen des akuten Schockzustandes zu gewährleisten. Eine mehrjährige Therapie ermöglichte es Rotkäppchen und seiner Großmutter schließlich, ihre Klaustrophobie zu überwinden.

Der verkannte und missverstandene Wolf allerdings konnte mit seinen Schuldgefühlen nicht leben. Auch eine stationäre Behandlung hinderte ihn nicht daran, beim ersten Freigang aus seiner Kammer dem letztlich auf Selbstvernichtung ausgerichteten Todestrieb nachzugeben und sich in den klinikeigenen Brunnen zu stürzen.
The End

Quelle: snafu.de/

Und damit einen guten Start in die neue Woche. 🙂

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13 Kommentare zu „Rotkäppchen…

  1. So ein hübsches Rotkäppchen, da würden auch andere Tiere um sie rumschleichen, nicht núr der Wolf. Und eine Therapie braucht sie auch nicht. Sie muss lernen, sich im Leben zu behaupten. 🙂 Und so ein hübsches Mädchen schafft das allemal. 😉
    Dir auch einen guten Start in die neue Woche.
    Gruß Piri

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  2. Ähm… und ich dachte immer bei Rotkäppchen ging es um die erotische Anziehungskraft von „Wölfen“ (also wilden, ungezähmten Männern) auf Frauen, die auch durch gesellschaftliche Konditionierung diesen nicht „abtrainiert“ werden kann, die Gefahr, diesen Männern zu verfallen, damit den Schutz und die Geborgenheit der Familie zu verlieren (die Großmutter wird vom Wolf „aufgefressen“) und sich dann am Ende selbst zu „verlieren“ (das Rotkäppchen wird dann auch aufgefressen). Die „guten Männer“ an die sich die Frauen halten sollen sind die braven, spießigen, gezähmten (der Jägersmann), die dann (weil es ein Happy End geben muss) die armen fehlgeleiteten Frauen vor dem „bösen Wolf“ (der sie auf den Strich schickt oder whatever) sogar retten können. Letzteres aber nur im Märchen. Also lasst euch von dem Wolf nicht verführen (hat natürlich nix genutzt, die ganzen romantischen Vampirgeschichten und expliziter 50SoG etc. zeigen, dass die Gesellschaft den jungen und älteren Damen diese Sehnsucht einfach nicht austreiben kann).

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich finde ja, das hast du richtig gut erkannt! Auch, wenn die Evolution (oder war es doch die Emanzipation??) viele Jahre -vergeblich- versuchte Frau den guten zahmen Mann schmackhaft zu machen… es hat nichts genützt, am Ende werden doch wieder die wilden Wölfe siegen. 🙂

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      1. Bei den Frauen ja. Aber trotzdem ist bei diesen Vorsicht angesagt. Nur den Mann, der den Wolf in sich zwar spürt und akzeptiert, ihn aber auch kontrollieren und beherrschen kann, nur dieser Mann wird den Frauen auch wirklich gut tun. Die Männer, die den Wolf in sich nicht beherrschen können oder wollen.. ich denke du weisst, was die anrichten können. Und janjan, auch wenn die Wölfe im Moment auf der Welt auf dem Vormarsch sind… Damit meine ich nicht auf erotischem Gebiet, sondern auf politischem und gesellschaftlichem…. sie werden auf Dauer gegen die Ratio und die wissenschaftliche Intelligenz verlieren. Was ich sehr gut so finde. Es werden die „Nerds“ sein, die uns eines Tages vor den fundamentalistischen Irren bewahren und sie womöglich sogar vollständig ausrotten werden. Auch wenn ich das vielleicht nicht mehr erleben werde, wird das irgendwann passieren.

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        1. In der Politik und Gesellschaft gesehen sicher richtig. Die Nerds lenken doch heute quasi schon die Geschicke am PC ohne grosse Mühe.
          In Bezug auf Frauen werden sie sich jedoch nicht durchsetzen können.

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