Finsternis…

Als Julia erwacht, umgibt sie, wie fast immer, dieses beklemmende Gefühl in der Brust, welches fast schon körperliche Schmerzen verursacht.
Zusammen mit ihrer Stiefmutter, deren Nähe sie fast schon anwidert, in dieser unerträglichen Enge, diesen muffigen Räumen, in denen es niemals ganz hell zu werden scheint.
Kein Sonnenstrahl schafft es jemals in diese Kammer, alles ist in ein gruseliges Halbdunkel getaucht. Julia kämpft mit dem Gefühl der Übelkeit und des Erstickens, sie will weg, einfach nur weit weg, irgendwohin wo sie Luft bekommt, einmal frei atmen zu können. Sie träumt seit Jahren von nichts anderem als endlich auszuziehen, endlich frei zu sein.

Eine eigene kleine Wohnung wäre ihr Traum, unabhängig sein, allein, mit sich im inneren Frieden,  Erinnerungen einfach auslöschen und ein normales Leben führen. War das wirklich zu viel verlangt?

Doch was sie auch tut, sie schafft es einfach nicht, der Weg aus dieser hoffnungslosen Dunkelheit, sie findet ihn nicht. Unfähig, nie gelernt eigene Entscheidungen zu treffen, eigene Wünsche zu definieren…
Jeder neue Versuch endlich eine Trennung von ihrer herrschsüchtigen egoistischen Stiefmutter herbeizuführen endet in dieser trostlosen Leere.

Eine ewige Hassliebe, welche sie einfach nicht schafft zu beenden. Warum nur? Weil es sonst niemanden gibt in ihrem armseligen Leben? Weil sie die Hoffnung auf Liebe und Wärme noch immer nicht aufgegeben hat? Allein dieser Gedanke ist armselig im Zusammenhang mit DIESER Person…

Schon der Anblick dieser kalten Frau, lässt sie erschaudern, ihre Anwesenheit ist unerträglich und ihre Stimme, bei der sie sich wünscht sie möge endlich verstummen.
In diesem Raum ist kein Platz für andere Stimmen, schon gar nicht für andere Meinungen… im Grunde nicht mal für eigenes Denken, jede noch so kleine Regung wird sofort im Keim erstickt.

Selbst im Traum sieht Julia ewig diese kalten Augen auf sich gerichtet, diese Augen, die all diese Schrecklichkeiten beobachtet hatten, immer und immer wieder, ohne jede Regung. Die Augen einer Frau, klein und unscheinbar, welche sich selbst für so wichtig hält und im Grunde nicht mehr wert ist als ein Pups im lauen Sommerwind.

Julia fühlt sich so wertlos,  ungeliebt und schwach, schwach von all den mühsamen Kämpfen der vergangenen Jahre und nach jedem neuen Versuch sich zu befreien ist sie so unendlich erschöpft.  Müde sinkt sie aufs Bett zurück, dieses Bett in diesem düsteren Raum, diesem Raum, ohne jede Hoffnung. Sie möchte schlafen, einfach unendlich weiter schlafen und am liebsten nicht mehr erwachen.

Viele, sehr viele Jahre sind vergangen, längst hat Julia eine eigene Familie, die Stiefmutter ist lange tot, aber noch immer träumt sie Nacht für Nacht diesen Traum, sie spürt noch immer diese Kälte, diese ewige Dunkelheit und Nacht für Nacht versucht sie noch immer wegzulaufen, dieser Enge zu entfliehen… Vergeblich…

by JanJan

by Pixabay
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14 Kommentare zu „Finsternis…

  1. Eine sehr beklemmende Geschichte, welche erstmal schockt. Mit solchen Gedanken sollte sich kein Mensch seelisch quälen.Sollte sie aus dem Leben gegriffen sein, wäre das ein furchtbares Leben für diese Person. Solche schrecklichen Gedanken wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht.

    Gruß Piri

    Gefällt 1 Person

    1. Danke sehr Piri, diese Geschichte ist -leider- auch wieder aus dem Leben gegriffen. Wichtig ist, dass man lernt mit den Gedanken umzugehen.
      Ich wünsche dir einen wunderschönen Feiertag mit tollem Wetter.

      Gefällt mir

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