Das Dorf…

Es ist spät geworden, mal wieder, der Tag ist buchstäblich davongelaufen, der letzte Termin beanspruchte mehr Zeit als vorgesehen und bevor ich mich versah, war es schon wieder Abend.

Ich hatte keine Lust mehr, keine Lust mehr auf Arbeit und auch keine Lust mich abzuhetzen. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, die geplante Bahn ist weg, also schlenderte ich noch gemütlich durch die Outlet’s am Ende der Straße. Die Temperaturen steigen und langsam sollte ich mir Gedanken machen über Sommerschuhe, die Zeit meiner geliebten Booties und Stiefel neigt sich leider dem Ende zu. Ich hasse Sommer und ich hasse diese Schuhe, welche nicht mehr über die Knöchel reichen, doch wie erwartet finde ich auch dieses Mal nichts, was mir auch nur annähernd gefallen würde.

Mein Weg zum S-Bahnhof führt mich durch’s nahe liegende Dorf, müde bin ich, die Füße tun mir weh und mittlerweile habe ich Hunger, so kehre ich in einen kleinen gemütlichen Gasthof ein und esse eine Kleinigkeit, während ich nebenbei die BahnApp checke.  Es wird Zeit, ich mache mich auf den Weg und schon bald wird mir klar, ich habe zu lange gebummelt oder der Weg ist einfach weiter, als ich mir vorstellte.

Mitten im Ort bestelle ich mal wieder ein Taxi, die Dunkelheit kommt schneller als erwartet und so stehe ich unter der einzigen Laterne in diesem kleinen Kaff.  Menschen laufen vorbei, schauen kritisch in meine Richtung, einige machen einen Bogen und wechseln die Strassenseite.
Spätestens jetzt wird einem klar, wie das so ist auf einem Dorf, wo einfach jeder jeden kennt und jeder Fremde kritisch begutachtet oder eben auch missachtet wird.

Es dauert und dauert, zu allem Überfluss setzt leichter Regen ein, mich fröstelt, ich stelle mich unter das Vordach eines kleinen Tante Emma Ladens.
Ich warte und warte und obwohl es inzwischen dunkel ist kann ich die Blicke einer ganzen Straße förmlich fühlen, die ersten eisernen Fensterläden werden heruntergelassen

Ich friere, ziehe die Kapuze meines Pullis über den Kopf, im Haus gegenüber wird das Licht gelöscht, während man im schwachen Schein der Laterne sieht wie die Gardinen vorsichtig zur Seite geschoben werden, Gesichter argwöhnisch an der Scheibe kleben.
Mit leichtem Grinsen versuche ich mir auszumalen, was nun in den Köpfen der Leute wohl vorgehen mag…  Sicher plant diese fremde dunkle Gestalt da draußen einen Einbruch, überfällt sie gar den Tante Emma Laden oder will sie unser Auto klauen??  Ganz sicher kommen noch Komplizen…  Mein Kopfkino ist im vollem Gange und gerade frage ich mich, wie lange es wohl dauert bis die Polizei anrückt…

In diesem Moment biegt glücklicherweise mein Taxi um die Ecke, ich winke… irgendwie dankbar, höre im Geiste die Bewohner erleichtert aufatmen und verlasse diesen Ort, ein Dorf, wo man wohl irgendwie immer etwas die Fremde bleiben wird…

So erreiche ich noch die Bahn und fahre in mein kleines gemütliches Hotel, dorthin, wo man mich schon beim Namen kennt und DAS ist irgendwie ein gutes Gefühl…

by Pixabay
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In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht, den meisten morgen einen schönen freien Tag und… Angenehme Begegnungen…  🙂

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42 Kommentare zu „Das Dorf…

      1. Das kenne ich nur zu gut.
        Und wenn man dann noch eine gerade, also für den Betrachter eine herausfordernde Haltung hat, fühlt sich die halbe Menscheit bedroht.
        Ich sag immer, „die vons Dorf!“ *lach*

        Es ist eine Gabe Gefühltes in Worte zu fassen.

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        1. Darum schreibe ich gefühltes möglichst immer so schnell wie möglich auf, dann bleiben die Empfindung meist gut präsent.
          Es lebe Handy und Tablet 🙂 ich schreibe damit ja viel in der Bahn, die Strecken sind seitdem viel kürzer geworden.

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            1. Tablet ist mir auch lieber, das reist ja inzwischen -samt Flatrate – überall mit, ein großer Vorteil, an den ich mich leider viel zu sehr gewöhnt habe 🙂
              Handy ohne Brille brauche ich mittlerweile gar nicht mehr versuchen… Das Alter… *schnief *

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              1. Ich habe immer ein Laptop mit. Und weil ich damit auch Präsentationen mache, ist er relativ groß und unhandlich. Nicht überall gibt es Beamer.
                Ohne Lesebrille geht auch bei mir nichts.

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                1. Na ja bei dir ist das auch wieder anders, im Hotel spielt die Größe nicht so eine Rolle und unterwegs.. Na ja im Auto schreibt es sich schlecht *grins 😁 * Da ist Bahn fahren schon schön.

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  1. Sehr schön geschrieben JanJan

    „…kann ich die Blicke einer ganzen Strasse förmlich fühlen…“

    Dieses Bild berührt mich grad sehr persönlich. Es steht für mich für das „Fremd oder aber auch für das Anders sein…“

    Da wo ich mich kürzlich niedergelassen habe, auf dem Berg, werde ich (noch) von so manchem gemustert, und von so mancher mit den Augen ausgezogen – jenen mögen mich nicht ansprechen.

    Und mir ist klar, selbst wenn sie mich im gleissenden Sonnenlicht, Montags wie Sonntags, sehen… ich immer höflich grüsse und der Burgerratssitzung beiwohne… über den Status „akzeptiert“ werde ich es vielleicht nie schaffen und wohl unter diese Laterne „Fremder“ (hier Üsserschwiizer) gestellt bleiben.

    Danke für Deinen amusanten und doch nachdenklichen „Tagebuch-Eintrag“

    Hoffe Du hattest in Deine verdiente geruhsame Nacht und einen entspannten Start Heute.

    Herzlichst Dany

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    1. Genau das sind Gedanken, welche mich in diesen Momenten beschäftigten Dany. Hat man als Fremder wohl eine Chance in so ein Dorf jemals richtig aufgenommen zu werden? Ich kenne einige Dörfer, da wohnen im Kern die „Eingeborenen“, am Rande des Dorfes sind in den Jahren neue Wohnsiedlungen entstanden, genau dort wohnen die „Zugezogen“, teilweise schon 10-15 Jahre, trotzdem bleiben sie genau DAS Zugezogen… FREMDE eben, während sich im Dorf jeder kennt, kennt diese Leute niemand.
      Es hat mich beschäftigt, aber ich habe sehr gut geschlafen 😴

      Wünsche dir einen wunderschönen Tag 🙂

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      1. Das „Zersiedeln“ des Dorfgeistes geschieht vielerorts. Wo ich herkomme sind ganze Siedlungen auf dem Dorf von Firmen / Arbeitgebern (Skyguide, Airlines, Chemiekonzerne…) für Ihre Kader und deren Familien regelrecht geentert worden – Diese Zugezogenen interessieren sich denn auch meist nicht für die Belange der Wohn-Gemeine. Ghettoisierung im Modernen quasi… Eine seltsame Verfremdung entsteht… Spannendes Thema.

        Ausgrenzung wird oft selbstgemacht. (Ein Beitrag dazu folgt (; ) – Weil hier oben einiges läuft was genau dieses Thema anheizt…

        Es liegt (auch) an mir ob, die Leute sich öffnen und ich meine Rolle finden kann – „…(Hey) Stanger in this town…“

        https://youtu.be/M7w0U1kTFV0

        Dir auch einen wundervollen Tag ☺️

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        1. Das stimmt auch, es liegt nicht immer nur an den Dorfbewohnern, man sollte als Zugezogener auch mal auf die Menschen zu gehen, vielleicht das Gespräch suchen. Gerade so ein kleiner Tante Emma Laden eignet sich ganz gut Kontakte aufzunehmen. Das Problem dabei ist aber oftmals, dass die Neuankömmlinge oftmals Stadtmenschen sind, die so Gemeinschaften generell nicht kennen. Sie denken gar nicht daran.

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          1. …oder sie (wir) wissen mitunter nicht einmal mehr wie ein Gespräch im Tante Emma Laden aufzunehmen…

            Wo sind sie hinverkümmert unsere Instinkte, Reflexe, und gesunden Überlebens-Triebe… ?

            Tut sich mir gleich der Darwin auf…(?)

            Ein Mikrokosmos „Dorf“ kann den an extremste Lebens-Bedingungen angepassten (Hardcore) Grossstädter – der sich (anonym) mitten in pulsierendem Leben am Leben zu bleiben… Stress, Hektik gar Angst und Terror zu kompensieren gewohnt ist,

            zu Fall bringen, scheitern, verwelken gar sterben lassen…

            Ist doch schon erstaunlich nicht war?

            Drifte grad in Gedanken ab – Danke JanJan…

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            1. Gerne, eigentlich schon ein schönes Diskussionsthema, welches man ziemlich ausweiten kann. Stimme dir da vollkommen zu Dany 🙂 In unseren schnelllebigen Zeit sterben leider viel zu viele -gute- Gefühle ab.

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  2. So ist es halt das Dorfleben. Traue keinem Fremden. Die Nacht hast Du hoffentlich gut überstanden und Dein Frühstück in aller Ruhe genossen. So kann einem erfolgreichen Tag eigentlich nichts mehr im Wege stehen, oder? Ich wünsche Dir einen schönen Tag und lunger nicht wieder in irgendeinem Dorf herum. 😉

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    1. Guten morgen Sigurd. Ich habe ganz wunderbar geschlafen, mich heute morgen mit Müsli vollgeschaufelt und nun bin ich unterwegs nach Holland… Leider… Wünsche einen schönen Feiertag. 🙂

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      1. Die Feiertagswünsche nehme ich gerne entgegen und verwende sie, wenn wir mal wieder einen haben. In Berlin ist heute kein Feiertag. Berlin hat überhaupt die wenigsten Feiertage. Komm gut an in den Niederlanden. 😉

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        1. Hallo Sigurd, das ist so nicht ganz richtig, denn ich habe das gerade gegoogelt, was du über Berlin schreibst. Berlin ist eins von fünf Bundesländern, das die wenigsten Feiertage in Deutschland hat. Dazu gehören Bremen, Niedersachsen, Schleswig Holstein, Hamburg und eben Berlin. *Schlauschweinmodusaus.* 😉

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  3. Ich hoffe, du bist wieder gut in Holland gelandet und kannst den versäumten Schlaf nachholen. Die Dorfgeschichte hast du sehr gut formuliert, deine Schreibweise gefällt mir sehr gut.
    Ich habe heute auch meine erste Radtour nach Warnemünde gemacht. Ich wollte mich bei der Bahnauskunft für eine Reise nach Berlin schlau machen und danach war ich noch ein wenig shoppen. Das hat mir richtig gut getan. Die Luft war erholsam. Kein Wind und nicht zu warm, so konnte man wunderbar radeln. Zwei große Potte lagen am Passagierkai und ein großes Segelschiff. Richtige Hingucker!!

    Wünsche dir eine erholsame Nachtruhe.
    Gruß Piri

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  4. Danke sehr Piri, ich bin auch gut angekommen, schlafen habe ich für Sonntag auf dem Programm. Heute habe ich noch eine Runde durch ein Wäldchen gedreht, war auch froh, als ich unter den Bäumen verschwinden konnte, mir war es schon wieder zu warm.
    Ihr hattet heute keinen Feiertag? Hoffe du hast beim shoppen etwas schönes gefunden 🙂
    Wann gehts denn nach Berlin? Die beiden Mäuse sind bestimmt schon ein ganzes Stück gewachsen 🙂
    Schlaf gut und träume was schönes.

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