Der Graf von Oberstein… Teil 1

Erst vor kurzem zogen Peter und Sonja in dieses alte Anwesen, ein sehr altes wunderschönes lang getrecktes Herrenhaus mit einem Garten voller Rosen in allen Farben. Ein Ort voller Ruhe und Harmonie, in dem man sich einfach wohlfühlen musste.

Der größte Teil des Anwesens wurde noch immer bewohnt vom jungen Herrn, dem Grafen Alfonso von Oberstein ….  Ein Lebemann Anfang 40, dessen Eltern leider viel zu früh verstorben waren, ein Junggeselle mit einem guten Herzen, aber einem schlechten Händchen für Geld. Seit vielen vielen Generationen befand sich dieses Herrenhaus im Besitz seiner Familie.

by Pixabay
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Und auch bereits seit mehreren Generationen bewohnte auch dieser alte Mann eine kleine Wohnung im Seitenflügel. Einst war er der treue Gärtner und Hausgehilfe, der alles in Schuss hielt, immer ein offenes Ohr hatte und den jungen Grafen wie einen eigenen Sohn aufwachsen sah. Ja, man kann sagen Edgar gehörte zur Familie und dafür hatte er Wohnrecht auf Lebenszeit bekommen. Mittlerweile über 90 Jahre alt, versuchte er noch immer dem Garten ein ansehnliches Äußeres zu geben, verbrachte Stunden bei seinen Rosen mit einem zufriedenen Lächeln.  Alles fiel immer schwerer, aber der junge Graf kümmerte sich um seinen väterlichen Freund, unterstützte ihn, wo immer er konnte.

Auch Peter und Sonja fühlten sich sehr wohl, liebten es dort zu leben, erledigten Einkäufe für Edgar, kochten für ihn und liebten es zusammen im Garten zu sitzen um seinen alten Geschichten zu lauschen, welche er so wunderbar anschaulich erzählen konnte. Wie auch der junge Graf war er verwurzelt mit diesem himmlischen Stück Erde, bereits seine Eltern dienten den Herrschaften und so ward Edgar bereits hier geboren, spielte als Kind mit dem Urgroßvater des Herrn Alfonso unbeschwert im Garten.

Ein idyllisches Leben, welches schöner nicht hätte sein können…  Niemand ahnte, dass es dem Untergang geweiht war…

Der junge Graf kam eines Tages müde und missmutig nach Hause, es war nicht zu übersehen, wie schlecht es ihm ging. Lange lange hatte er gekämpft, sich immer wieder von falschen Geschäftspartnern über den Tisch ziehen lassen, sich verspekuliert, am Ende sogar noch versucht das Glück im Spiel herauszufordern… Alles umsonst… Die Firma war pleite, das Unternehmen am Ende und wie noch keine Generation vor ihm stand er plötzlich vor dem Nichts!

Lange versuchte er diesen Zustand zu verbergen, verkroch sich förmlich, badete im Selbstmitleid und suchte stets mehr Kontakt zu seinem neuen Freund… DEM ALKOHOL!

Es wurde immer aussichtsloser und eines Tages kam, was kommen musste der Herr Gerichtsvollzieher stand vor der Tür!  Graf Alfonso nahm alles teilnahmslos hin, stand nur da ungepflegt im Bademantel, mit gläsernen betrunkenen Augen und seiner Flasche Whisky noch in der Hand. Ein Anblick, der einem ans Herz ging, SO hatte man ihn nicht gekannt.

Alles drohte den Bach runter zu gehen, nicht nur das Unternehmen, auch das Anwesen würde er verlieren, Graf Alfonso nahm es mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Scham einfach hin, er hatte versagt, ein Jahrhunderte altes Familienunternehmen ruiniert, weil er sich betrügen ließ.

Am allerschwersten jedoch war der Anblick von Edgar zu ertragen, Sonja beobachtete ihn oft, wie er stundenlang gedankenverloren mit seinen Rosen sprach, dabei liefen lautlos Tränen über seine runzeligen Wangen, es brach ihr das Herz…
Es musste doch irgendwie eine Lösung geben!  Das Nichtstun von Alfonso machte sie wütend!

EDGAR… WAS KÖNNEN WIR TUN?  fragte sie eines Abends leise und nahm seine Hand.
ICH MÖCHTE STERBEN… HIER… BEVOR WIR GEHEN MÜSSEN… Erwiderte er kaum hörbar…  DIESER PLATZ IST MEIN LEBEN….
DORT IN DER ALTEN KAPELLE MÖCHTE ICH BLEIBEN, WO SCHON MEINE VORFAHREN LIEGEN.

EDGAR BITTE… ES MUSS DOCH EINEN WEG GEBEN…

TJA MEIN LIEBES KIND, so nannte er Sonja gerne liebevoll und strich ihr mit zittriger Hand über’s Haar…. ES GIBT DA NUR EINEN WEG, ABER DER IST SEHR BESCHWERLICH UND… AUSSICHTSLOS…

Sonja setze Wasser auf, kochte einen Apfeltee mit Zimt, so wie Edgar ihn liebte, inzwischen war auch Peter dazu gekommen. So saßen sie bei Kerzenschein in dieser gemütlichen kleinen Kammer, das Aroma von Zimt, erfüllte angenehm den Raum und lauschten andächtig, was Edgar zu erzählen hatte.

ES WAR EINMAL…

by JanJan

Fortsetzung folgt… 😉

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33 Kommentare zu „Der Graf von Oberstein… Teil 1

  1. Eine sehr schöne Geschichte, die mich an die Herzfilme der Rosamunde Pilcher erinnern. Aber das meine ich nicht abwertend, nein, ich selbst schaue mir diese Filme gerne an. Da stehe ich auch zu. 🙂 Ich warte natürlich genauso gespannt auf die Fortsetzung, wie alle anderen, und hoffe für alle Beteiligsten in deiner Geschichte auf ein glückliches Happy End.
    Gruß Piri

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