Aus der Praxis…

Schmerzen quälten sie, mal wieder, für Anke war dies nichts neues. Meist hielt sie es einfach aus, versuchte so gut es ging damit zu leben, ab und zu gönnte sie sich auch ein Schmerzmittel, um wenigstens einmal durchschlafen zu können.
Mittlerweile half jedoch einfach nichts mehr, ihr Rücken brannte, ihre Muskeln waren verspannt, sie wusste bis dahin nicht einmal, dass sie so viele davon hatte, das Laufen wurde zur Tourtur. Es half nichts, sie musste zum Arzt.

Missmutig machte sie einen Termin für den nächsten Tag und konnte schon allein vor Aufregung nicht schlafen.
Das Wartezimmer war zum bersten voll, überall Stimmen, dazu Musik und Hitze, die Luft zum schneiden, es war unerträglich… eng… zu eng, einfach zu erdrückend.
Ankes Atem wurde schneller, die ersten Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn und suchten sich langsam einen Weg über ihr Gesicht, sie spürte wie sich selbiger rot verfärbte und sie bekam den Eindruck in ihren eigenen Sachen zu ersticken.

Dann passierte es, Ankes Kopf drohte zu platzen, sie konnte nicht mehr klar denken, nahm all die Menschen nicht mehr wahr. Hastig riss sie sich Bluse und BH vom Körper und stürmte Richtung Anmeldung.
Just in diesem Moment öffnete sich die Tür des Sprechzimmers und sie wurde aufgerufen, wie automatisiert blieb sie stehen, drehte sich um und bewegte sich vorwärts wie ein Roboter, der Blick starr nach vorne gerichtet.
Anke registrierte das kurz und wie im Trance ging sie hinein, in diesem Moment für sie völlig unklar, dass sie nackt war. Einfach nur froh endlich dieser, für sie, schrecklichen Situation entfliehen zu können, war dies, gut klimatisierte Zimmer, wie ein Zufluchtsort für sie. Und so stand sie wie selbstverständlich vor diesem Arzt und reichte ihm die Hand.

Seine Reaktion fiel allerdings ganz anders aus, als erwartet, sein Blick war wütend, er war einige Schritte zurück getreten und schaute schockiert auf diese junge Frau.
Anke gelang es noch immer nicht, die Situation zu erfassen, sie bemühte sich einfach ihre Beschwerden zu schildern, doch der Arzt ließ sie nicht mal ausreden.
Vorwürfe machte er ihr, wegen ihres Auftritts, meinte sie wäre nur aus einem Grund hier: IHM sexuelle Avancen zu machen!

Erst in diesem Augenblick wurde Anke klar, was sie gemacht hatte. Sie schämte sich fürchterlich für Ihr Verhalten, ihre Nacktheit war ihr nun sehr peinlich und sie versuchte ihre Blöße zu bedecken.
Schüchtern versuchte sie sich zu erklären, wollte ihm klar machen, dass sie wirklich nichts von ihm wollte, einfach mit der ganzen Situation überfordert war, was manchmal dazu führte, dass sie Dinge tat über die sie keine Kontrolle mehr hatte.

Doch, wie meinst, verstand sie hier niemand. Die Schwester hatte inzwischen ihre Klamotten gebracht und während der Arzt noch immer wütend auf sie einschimpfte, war Anke einfach nur noch erschöpft und traurig. Völlig ruhig zog sie ihre Sachen an, dann wurde sie auch schon von der Polizei abgeholt.

Ohne ein Wort und jegliche Reaktion, ließ sie es einfach geschehen und kam mal wieder einige Wochen in die Psychiatrie.

Anke leidet an einer Angststörung und ist hypersensibel, was bei ihr unter starken Stresssituationen zum Kontrollverlust führen kann.

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by Pixabay
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51 Kommentare zu „Aus der Praxis…

                    1. Ich hatte einen vierteljährlichen Check, der war nicht so besonders. Ich versuche mich nicht verrückt zu machen, aber ist nicht so einfach. In 3 Wochen weiß ich mehr. Jetzt hast Du Feierabend, halbe Stunde ist rum. 😊😉🙋

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                    2. Oh je da drücke ich dir ganz fest die Daumen, dass alles okay ist!! Drei Wochen können dann ganz schön lange sein. Denke positiv, schicke dir ganz viel Energie!!

                      Ja ich hab nun Feierabend, war schon Gassi.

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  1. Es mag hart klingen, aber der Arzt hat genau richtig gehandelt.
    Solche Patienten brauchen einfach deutliche Grenzen und den dadurch entstehenden Leidensdruck, um sich in eine entsprechende Behandlung zu begeben.
    Ich weiß, wie grausam das klingt. Aber jedes Mitleid wäre einfach nur falsch verstandene Hilfe.

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      1. Das ist wohl richtig.
        Aber so eine Situation erlebt man als Arzt wahrscheinlich auch nur ganz selten. Man kann sich vorstellen, was ihm da durch den Kopf gegangen ist. Wenn da ein Hauch von sexueller Belästigung im Raum steht, dass kann sein ganzes Leben zerstören.
        Ich kann mir sogar vorstellen, dass Ärzte angehalten sind so zu reagieren.

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      1. Als Arzt hat er einige Möglichkeiten eine so auffällige Patientin zu beurteilen. Das war eindeutig eine falsche Reaktion seinerseits. Mir dürfte so etwas nicht passieren, vorausgesetzt ich würde mich so wie beschriebene Frau verhalten. (werde ich hoffentlich auch nie tun) 😉
        Bei meinem GYN ist z. B. immer eine Schwester bei den Untersuchungen dabei. (nicht nur bei mir – wehe wer jetzt was Falsches denkt) 😉 Auf diese Weise hat der Arzt stets einen Schutz vor gewissen Patientinnen.
        Leider leben wir in einer schlimmen Zeit. Aber Männer sind nicht mehr „gehetzt“ als Frauen.

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        1. Genau so wäre die rchtige Vorgehensweise gewesen Lilo, die Helferin(nen) dazu nehmen, gleich mit rein, so ist er auf der sicheren Seite. Ich weiß sehr wohl, dass man auch als Mann heute ganz schnell schuldlos reingeritten wird, solche Frauen sollten sich schämen, aber so etwas kann einem Arzt im Grunde ja immer passieren, immerhin ziehen sich wohl die meisten Frauen dort aus…

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      2. Doch Manfred, an so was denke ich schon und verstehe das auch, da sitzt man ganz schnell in der Sch••••… Aber dafür gibt es ja Helferinnen, die hätte er sofort mitnehmen können, in der Regel sind sie ja sowieso dabei. Böswillige Unterstellungen können ihm bei jeder Patientin passieren.

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      3. Doch Manfred, an so was denke ich schon und verstehe das auch, da sitzt man ganz schnell in der Sch••••… Aber dafür gibt es ja Helferinnen, die hätte er sofort mitnehmen können, in der Regel sind sie ja sowieso dabei. Böswillige Unterstellungen können ihm bei jeder Patientin passieren.

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  2. Schöne sensible Geschichte und wieder einmal wundervoll von dir geschrieben. Ich kann sie nachvollziehen, weil ich auch schon einmal unter Angst und psychosomatischen Störungen litt. Aufgrund einiger schrecklicher Schicksalsschläge, spielte mein Geist und Körper verrückt. Hilfe von außen brachte nichts, denn helfen konnte ich mir nur selbst. 1 Jahr dauerte dieser Zustand und dann habe ich selbst es geschafft, diesem Teufelskreis zu entweichen. Ich möchte es nicht noch einmal durchmachen und tue alles um ihm entgegen zu wirken. Das Leben anders sehen, körperlich und geistig aktiv bleiben, möglichst positiv denken, sich die Begeisterung und das Kind im Manne erhalten gehören dazu. Ich bin in dem geschilderten Zustand auch an einen Arzt geraten, der wörtlich sagte: „Lassen Sie mich mit ihren Symptomen in Ruhe“. Heute würde ich mir das nicht mehr gefallen lassen, aber damals fehlte mir die Kraft, um mich an diesem Arzt zu rächen.
    LG Alexander

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    1. Oh danke schön Alexander.
      Das wusste ich ja gar nicht, gerade du wirkst immer so taff. Ich kenne schon einige Leute mit ganz verschiedenen psychischen Problemen, manch einem hilft es darüber zu reden mit Psychologen, für andere reicht der Halt von Familie oder Freunden, aber wie du schon sagst… Letztendlich muss man es selbst schaffen wieder raus zu kommen, das kann einem niemand abnehmen.
      Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass so etwas dich nicht noch mal ereilt! ❤

      Dieser Arzt mit seinem Kommentar ist jedoch der Gipfel!! Beruf verfehlt würde ich sagen!!

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      1. Schade, denn ich freue mich auch immer über Kommentare. Habe mal nachgeschaut. Einige deiner Kommentare sind – warum auch immer – im Spamordner gelandet und einige musste ich noch genehmigen. Jetzt müsste es also wieder klappen :-/
        LG Alexander

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    1. Sehe ich auch so Hubert, er hätte ja sofort die Schwester dazu nehmen können, so könnte ihm sicher niemand etwas vorwerfen.
      Davon abgesehen sollte sogar ein Allgeinmediziner in der Lage sein zu erkennen, wenn eine Frau nicht ganz bei sich ist und in Panik.

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  3. Die Reaktion des Arztes ist mir unverständlich. Von einem Arzt erwarte ich mehr Einfühlungsvermögen. Er muss einfach merken, in welch Situation sich die Patientin befindet. Ein guter oder sensibler Arzt merkt das.

    Ich frage mich, ob er die Patientin kannte, dann wäre seine Reaktion einfach unfassbar unprofessionell.

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    1. Ja finde ich auch Sigurd und so weit ich mich erinnere war das damals ihr Hausarzt, also hätte er sie kennen sollen. Ist allerdings schon etwas länger her.
      Wünsche dir ein schönes Wochenende 🙂

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  4. Auch ich verstehe die Aufregung des Arztes nicht. Er hätte gleich die Patientin unter Hinzuziehung einer Schwester beiseite nehmen, beruhigend auf sie einwirken und behandeln müssen. Der Arzt muss doch über den Dingen stehen und sofort erkennen, was mit der Patientin los ist, zumal sie ja nach deiner Aussage schon bei ihm in Behandlung war und er um ihre Ängste wusste. Seine Panik war doch voll überflüssig. Man muss sich immer wieder wundern, was einem alles so passieren kann. Die Wartezimmer bei den Ärzten sind meistens proppenvoll und ich denke schon mit
    Grauen an die nächsten Wochen, wo die Grippeschutzimpfung anläuft. Da wird es wieder überall in den Arztpraxen sehr voll werden. Ich hasse das auch.
    Liebe Grüße Piri

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    1. Ja Piri da hast du vollkommen recht, Ärzte scheinen heute fachlich vielleicht besser ausgebildet zu sein, aber menschlich habe ich oft das Gefühl, ist da gar nichts mehr da. Und gerade bei Ärzten sollte das doch ein großes Stück sein, was den Beruf ausmacht.
      Ich ertrage ja so volle Wartezimmer auch nicht, warte dann lieber draußen, aber zum Glück habe ich mir noch nie die Sachen runtergerissen, obwohl ich manchmal auch das Gefühl habe zu ersticken.

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  5. Hm, zwiespältige Angelegenheit. Was auf jeden Fall gar nicht „geht“ ist die direkte Einweisung mit Polizeischutz. Auch frage ich mich, ob denn dem Arzt oder seinen Helfern nicht bewusst war, wer da eigentlich in ihrem Wartezimmer sitzt. Kranke haben eine Geschichte und gerade in diesem Fall, so deute ich es, ist diese Geschichte ja eindeutig mit Angst und Panik verknüpft. Solche Patienten setze ich nicht in ein proppevolles Wartezimmer!

    Aber ich kann auch den Arzt verstehen, wenn er auf die Nacktheit der Patientin ein wenig unsensibel reagiert. Die Argumente sind hier ja schon genannt. Und da kann man, leider, auch nicht auf die Kurzschlussreaktion plädieren.

    Allerdings darf die Situation, wie gesagt, gar nicht erst entstehen. Das weiß jeder, der einmal Menschen wie Anke kennengelernt hat – und Ärzte sollten es erst recht wissen!

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    1. Vor allem, weil sie schon länger seine Patientin war, er wusste sehr wahrscheinlich von ihrer Störung, war aber in diesem Moment trotzdem damit überfordert, wohl, weil er es so extrem noch nicht erlebt hatte.

      Aber einer deiner Sätze macht mich nachdenklich: „Solche Patienten setze ich nicht in ein proppevolles Wartezimmer!“

      Sondern? Ich meine, hast du je von einem Arzt, einer Behörde oder sonstigen öffentlichen Einrichtung gehört, welche auf solche Befindlichkeiten Rücksicht nimmt?

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      1. Allerdings habe ich von solchen Ärzten nicht nur gehört, sondern bin sogar schon selbst in den Genuss gekommen. Da wird man entweder vorgenommen, in einem separaten Raum „geparkt“ oder man bekommt eine Zeit genannt, zu der man sich wieder einfinden kann. Das schafft sogar meine Hausärztin und die Spezialisten erst recht.

        Aber ich weiß, dass das nicht die Regel ist.

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        1. Wow Glückwunsch zu deiner Ärztin, halte sie dir warm, es ist selten. 🙂
          Ich versuche ja möglichst nicht aufzufallen, also frage ich sowas erst gar nicht. Nehme dann eher den Gatten mit, der aufpasst, wann ich dran bin und warte selbst draussen. Wobei… muss ja sagen… bin zum Glück fast nie krank, so gehe ich immer nur ein Rezept holen 🙂

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          1. Bei mir lief das auch nicht von alleine. Es ergab sich im Laufe der Zeit so, ich geh da aber auch schon lange hin. So ist meine Ärztin über alle Probleme, die ich so habe, im Bilde.

            Deine Methode mit dem Gatten ist aber auch nicht so schlecht. Wenn es sich denn immer einrichten lässt.

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  6. Puh, … was für eine zu Herzen gehender Text. Beruht dieser auf einer wahren Begebenheit? Wie auch immer, der Text ist richtig gut, weil er den Leser, in diesem Fall mich, sehr berührt hat. Er zeigt eindrucksvoll, dass nur ein Arzt mit Empathie ein guter Arzt sein kann. Der im Text beschriebene Arzt gehört leider nicht zu den guten. Schlimm für die Frau mit der Angststörung …

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    1. Ja die Geschichte ist eine wahre Begebenheit, die schon einige Jahre zurückliegt. Für die Frau war diese Situation im Nachhinein auch so peinlich und belastend, dass sie aus der Gegend weggezogen ist. In der Kleinstadt sprach sich das einfach schnell rum.

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