Anna 3

Anna 2
Dabei fing die Geschichte noch ziemlich harmlos an.
Wann immer Anna abends im Bett lag, kam ihr Stiefvater, stellte sich ans Fussende und rüttelte daran, nur damit sie unter der Decke vorkommen sollte, in welche sie sich stets vollkommen eingehüllt hatte. Als hätte das jemals etwas geholfen…
Wie hasste sie dieses blödsinnige Ritual! Ihr Atem ging bereits schwer, sobald sie nur seine Schritte auf dem Flur hörte…
Heute sollte es anders laufen, sie hatte eine Überraschung für ihn vorbereitet.
Wie immer kam er, Anna’s Körper spannte sich unter der Decke an, Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn, schon vernahm sie wieder seine abscheuliche verhasste Stimme… AAAANNAA… Ein kurzes Rütteln und es machte BUMM! Das Bett war runtergekracht, weil sie die Beine angesägt hatte und landete mit voller Wucht auf seinen Füßen!
Er schrie wie von Sinnen, die Zehen waren gebrochen und Anna lief mal wieder schnell davon…

Gebracht hat diese Aktion nicht besonders viel… Nach drei Tagen eingefangen, nach weiteren drei Tagen im Koma fast alles beim alten.

Trotzdem startete sie bereits nach wenigen Wochen die nächste Aktion.

Anna wusste ihr Stiefvater musste an diesem Tag spät zum Nachtdienst, sie war immer froh, wenn dies der Fall war und die Bestie endlich das Haus verlassen hatte. Zumindest vor IHM hatte sie Ruhe, auch wenn ab und zu die anderen schwarzen Schatten an seiner Stelle erschienen, ab und an fand sie doch eine ruhige Nacht.
Dieses Mal konnte sie nicht schlafen, zu angespannt war sie, lag im Bett, die Decke weit über den Kopf gezogen und hielt sich die Ohren zu… Trotzdem vernahm sie bald darauf ein hartes Poltern und einen Schrei….
Anna’s Atem ging schnell und stoßweise, ein Zittern durchlief ihren Körper… War er tot? Es herrschte Totenstille!
Langsam kletterte sie aus dem Bett, öffnete leise die Tür und schlich zur Treppe. Vorsicht lugte sie durch das Geländer in die Dunkelheit.
Da lag ER, dieser verhasste bullige Mann am Ende der Treppe und heulte jämmerlich wie ein kleines Kind.
Anna entfernte die Angelschnur, welche sie über die Treppe gespannt hatte und schlich zurück ins Bett, hinter ihr ertönte die Stimme ihres Stiefvaters „Ich bring dich um du Sau…“

Jaaaaa Anna war ein Teufelsbraten, der in die Hölle gehörte, den Vorgeschmack bekam sie nun zu spüren…
Es vergingen einige Wochen, die Anna im Krankenhaus verbracht hatte, nachdem sie ihrem Stiefvater zum ersten Mal wieder begegnet war, sie war noch immer angeschlagen und sie war es nun nicht mehr würdig in einem Haus zu wohnen, in einem Bett zu schlafen, sie musste zu Richard ziehen. Er war der Freund ihres Stiefvaters, ein Junggeselle, der abseits lebte und ER war seit jeher Anna’s schlimmster Albtraum! Sein Verhalten hatte wenig menschliches an sich, schon einige Male hatte er ihr die Knochen gebrochen.

Jetzt wohnte sie also in seinem Kellerloch, karg auf einer Matratze, angekettet wie ein Tier, ihre einzige Beschäftigung Bücher….
Anna war seit jeher sehr belesen, verschlang alles, was ihr in die Finger kam, das war alles, was sie brauchte. Ihrer Entwicklung war sie anderen Kindern schon immer voraus, sprach schon früh sehr gewählt, wenn auch selten, konnte lesen schon mit 4 Jahren. Von ihren leiblichen Eltern wurde sie früh gefördert und… geliebt, aber leider hatte sie daran nur noch wenige Erinnerungen…

Freunde hatte sie nie, schon im Kindergarten mochten andere Kinder sie nicht, weil sie so anders war und auch Anna hegte keinerlei Sympathien für „Spielgefährten“, hielt sie schlichtweg für zu dumm und kindisch. Anna wusste nicht mal, wie es eigentlich ist KIND zu sein, sie hatte es vergessen.

by JanJan

by JanJan
by JanJan

 

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47 Kommentare zu „Anna 3

            1. Keine Ahnung, ich habe mich seit jeher nur auf mich selbst konzentriert und selbst geholfen, ich brauche niemanden. Meine Devise: Hilf dir selbst… Zwar habe ich lange Zeit mit solchen betroffenen Frauen „gearbeitet“, ihnen bei der Aufarbeitung geholfen, aber dabei selten nach links oder rechts geschaut.

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                    1. Gibt es nicht ein gutes Gefühl, Jemandem zu helfen? Ist es nicht auch das, was einen Arzt freut, wenn er einem Patienten helfen kann? Ist das nicht etwas, was man zurückbekommt??
                      Bitte nicht verwechseln mit „einfordern“ 😉

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                    2. Schwierig Kitty, da solltest du besser einen Menschen mit „normalem Gefühlsleben“ befragen, ich kann dir das so jetzt nicht beantworten. Aber ich werde mal darüber nachdenken.
                      Ich arbeite ja auch mit Hunden, da kann ich deine Frage eindeutig mit JA beantworten, da erlebe ich bei jedem Erfolg ein ganz persönliches Glücksgefühl.

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                    3. Na siehste. Genau das meinte ich. Und da ist es irrelevant, ob du da mit Mensch oder Hund arbeitest. Es gibt dir was. 🙂
                      Und ich finde, auch du hast ein normales Gefühlsleben. Und selbst wenn es nur für dich normal ist, es ist normal! Finde ich. 🙂

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          1. Endlich! Endlich sieht das einmal jemand genauso, wie ich es sehe. Ich mag diesen Satz „Früher war alles besser“ (in Bezug auf Kindererziehung, Gewalt, psychische Erkranunkungen) einfach nicht mehr hören. Bester Satz ist auch immer: „Früher gab es das ja nicht!“ (In Bezug auf Kindesmissbrauch und oder Homosexuelle). Wenn ich das, was du gerade gesagt hast, als Argument anführe, wird es meistens ignoriert oder man schnaubt missbilligend. – By the way … ein sehr ausdrucksstarkes Bild und eine ebenso aussdrucksstarke Geschichte!

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            1. Danke dir und willkommen in meinem Blog.
              Allerdings stimme ich dir da nicht so ganz zu. Natürlich gab es auch früher all diese schrecklichen Dinge, auch wurde gerne das Tuch des Schweigens darüber gelegt.
              Trotzdem bin auch ich der Meinung, dass sehr vieles früher definitiv besser war, sei es die Erziehung der Kinder, der allgemeine Umgang miteinander oder einfach Dinge wie Respekt und Achtung. 😉

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      1. Ich kenne nur diese eine Geschichte, aber das reicht auch durchaus. Wir waren damals noch in der Schule, wie sie mir das erzählt hat und sie leidet heute noch, hat einen ganz lieben, verständnisvollen Mann und zwei Kinder… aber ab und zu kommt alles wieder hoch

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      1. Mir geht sowas eben immer sehr nahe! Ich wünschte die Welt wäre ein Paradies und alle Menschen stets glücklich! Es gibt so viel Unheil und so viel Trauer und Wahnsinn auf der Welt. Wäre doch schön, wenn alles das einfach verschwinden würde und nie mehr zurückkäme. Wunschvorstellung von mir!

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    1. Ja ich weiß man sich sowas schwer vorstellen, wenn man persönlich damit nie konfrontiert wurde Sigurd, aber glaube mir, die menschlichen Abgründe sind tiefer, als du dir vorstellen kannst 😦

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