Kompensationsfähigkeit….

Oder die Frage: Warum erscheinen Autisten oft auf den ersten Blick so „normal“?

Das Zauberwort: Kompensationsfähigkeit und diese ist oftmals wirklich bemerkenswert!

Gerade das, was ja viele Autisten auf den ersten Blick eben „unauffällig“ erscheinen lässt.  Ich denke jeder -zumindest erwachsene Asperger-  kennt dieses Phänomen, was eben auch zur unglaublichen Last werden kann. Genau DAS führt eben auch oftmals zu solchen Sprüchen, „du scheinst doch völlig normal…  Ich bemerke gar nichts auffälliges an dir… “ Dies wiederum führt beim Gegenüber zu einer gewissen Erwartungshaltung, sprich, er erwartet, dass wir immer und in jeder Situation so angemessen reagieren, funktionieren, angepasst sind. Eine Erwartung, die nun mal nicht erfüllbar ist.

Nehmen wir zum Beispiel den Bereich des Sozialverhaltens, für mich persönlich DIE Schwachstelle schlechthin… okay ich kann auch ganz einfach sagen, sozial bin ich die absolute Niete, das trifft genau den Punkt.

Lebenserfahrung und Lernfähigkeit bringen uns oft dazu „angepasst“ und „normal“ zu erscheinen und niemand ahnt auch nur ansatzweise wieviel Kraft und Energie das kostet.

Ein Zustand, welcher natürlich auch nicht über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann.  ICH jedenfalls schaffe es nicht. Bei üblichen Begegnungen wirke ich vielleicht 20 Minuten unauffällig, je nach Tagesform und wie entspannt die Ausgangssituation war. Verwickelt mein Gegenüber mich in ein Gespräch zu meinen Spezialinteressen kann ich das eventuell auch schon mal eine Stunde aufrechterhalten, danach ist aber für gewöhnlich auch hier Ende der Fahnenstange…  Ich kann nicht mehr verbergen ANDERS zu sein.

Klicke ich mich in diesem Moment dann nicht endlich aus und schaffe es noch mich „höflich“ zu verabschieden… Beginnt es wohl peinlich zu werden…  Es folgt der „Erdmännchen – Effekt“, heißt ich verschwinde quasi im Erdloch… Manchmal körperlich, indem ich meinen Gesprächspartner einfach stehen lasse und gehe, manchmal auch nur im Kopf. Man erkennt es am starren Blick und / oder (bei mir) am Stimming, was ziemlich deutlich zeigt, ich bin am Ende meiner Kraft.

Dankbar, wenn ich spätestens dann aus der Situation entlassen werde…

Was ist also im Grunde das Fazit?  Bei einmaligen Begegnungen muss man sich darüber nicht großartig Gedanken machen, aber wie sieht es aus bei Menschen mit denen wir öfter Kontakt haben?
Sollte man sich wirklich wieder und wieder dieser Anstrengung aussetzen so lange wie möglich „durchzuhalten“, den Schein der Normalität aufrechterhalten?
Ich für meinen Teil tue mir das nicht -mehr- an, nehme einfach nur noch teil, so lange es mir leicht fällt, dann steige ich aus…

Aber nicht nur Dauer und / oder Häufigkeit spielen hier eine Rolle, sondern sehr entscheidend das Thema, kurz erklärt an zwei Beispielen.

A: Ich gehe zum Tierarzt, bin am Thema natürlich interessiert, kann nachvollziehen was besprochen wird, kann dem Gespräch folgen, auch nachfragen, kommunizieren. Habe natürlich auch meinen Hund dabei (logisch, sonst wäre ich kaum beim Tierarzt…), dessen Anwesenheit mir grundsätzlich Sicherheit gibt.
Fazit: Der Tierarzt wird wahrscheinlich nichts besonderes an mir bemerken, auf ihn wirke ich -glaube ich- ziemlich „normal“.

B: Ich habe einen Termin beim Amt, muss vielleicht irgendwas beantragen. Das Thema interessiert mich NULL!  Ich bin schon genervt, angespannt und total müde, bevor ich überhaupt dort ankomme. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es jetzt gerade noch mich vorzustellen, alles andere bekomme ich schon gar nicht mehr mit, das Gespräch ist für mich nichts als bla bla bla. Je mehr ich versuche mich zu konzentrieren, desto mehr Druck baut sich im Kopf auf… Ich bin raus, will einfach nur noch nach Hause und meine Ruhe.
Fazit: Auf mein Gegenüber wirke ich sehr wahrscheinlich ziemlich gestört… Solche Termine gehen gar nicht, schaffe ich ohne Hilfe nicht.

Alles verständlich? 🙂

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72 Kommentare zu „Kompensationsfähigkeit….

                  1. Oh man. Mir hat es schon gereicht , wenn man mir immer und überall einbläut wurde, ich muss mich einbringen, das gab noch mehr Druck.
                    Wegen meiner Schwerhörigkeit kam ich ja auf eine Sonderschule. Hätte aber auch auf einer normalen gehen können, aber zum Glück erkannte meine Mutter an meinem Verhalten, dass ich in einer kleinen Schule besser aufgehoben war.
                    Meine beiden kleineren Mädels sind ja auch auf einer Sonderschule, lernen aber ganz normal, sind ja vom Kopf her top, die Schule ist nur für körperliche und emotionale Behinderungen und nur bis 12 Kinder in einer Klasse .

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                    1. Oh da hast du es sicher nicht leicht gehabt, es ist immer schwierig, wenn man irgendwie anders ist, egal worin man Defizite hat.
                      In einer Sache war ich garantiert Schulbeste: im schwänzen 😉 Ich zog es irgendwann vor lieber in’s Museum zu gehen oder Ausstellungen zu besuchen, da hat mich wenigstens niemand genervt.

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                    2. Es ist auch heute oft nicht einfach, und grad erst recht, wenn man akustisch nicht alles mitbekommt, und wenn doch, hab ich oft ne lange Leitung, kapier immer nicht gleich alles.
                      Geschwänzt hab ich erst später, als ich in eine normale Schule ging, das war für mich die letzten zwei Jahre der absolute Horror .
                      Als Kind bin ich oft in Museen gegangen oder war viel in der Bibliothek.
                      Ich hatte auch Freunde und war oft draußen, hatte aber dann auch eine Stubenhockerphase, wollte nur für mich sein.
                      Irgendwann lernt man damit umzugehen, wollte immer so sein wie andere sind, mich der Gesellschaft anpassen. Hatte viele Höhen und Tiefen bis man sich selbst annimmt, dass man so ist, wie man ist.
                      Es gibt gute Tage , dann auch wieder schlechte Tage.

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                    3. Die Hauptsache ist doch, dass man sich eines Tages selbst findet, mit sich im Reinen ist, Zufriedenheit verspürt, dann ist man glücklich, egal wie man lebt oder wie andere das finden. ♥

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                    4. So ist es, ich bin ich.

                      Ganz unten in den Kommentaren hab ich gelesen, dass du auch lieber schreibst, welch Phänomen, ich hab früher als Kind schon immer gerne geschrieben, auch Geschichten und Märchen. Ich kann mich schriftlich auch besser ausdrücken als verbal. Man kann sich dann Zeit lassen, wie man sich formulieren möchte. 😅

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                    5. Jaaaa stimmt genau, ist ja auch nicht zu übersehen, dass ich gerne schreibe 🙂
                      Habe ich auch als Kind schon gerne gemacht und auch viel gelesen. Bevor das Internet erfunden wurde habe ich Unmengen an Büchern gelesen, irgendwann passten sie nicht mehr wirklich in die Wohnung. So habe ich mich vor einigen Jahren dann doch entschlossen mich von den meisten Büchern zu trennen. Ist mir nicht leicht gefallen, irgendwie ist es ja ein Stück Leben.

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                    6. Ich hab hier auch alles voll und nun kein Platz mehr, bin dann doch auf kindl umgestiegen. Noch mag ich nicht meine Bücher hergeben, nur wenn ich wieder irgendwann umziehen muss, oh man…😅

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                    7. Auch Märchenfan!!! Cool. Ich hatte früher schöne Märchenbücher und auch viel ausgeliehen. Musste aber damals vieles zurück lassen und hab neue schöne Märchenbücher und eins in Samt sogar 😁

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  1. Gib mir ein Gespräch zu einem Spezialinteresse, und ich unterhalte mich auch fünf Stunden drüber… Dummerweise dann eher in Form eines Monologs. Ansonsten geht es mir eher so, dass ich in sehr förmlichen Situationen, die ich einfach nach „Muster“ abarbeiten kann (also durchaus Ämter usw.) glaube ich normaler wirke als in der ungezwungenen Begegnung ohne klare „Regeln“. Wenn ich einfach nur mein „Gedicht“ aufsagen muss und quasi nach Ablaufdiagramm vorgehen kann, okay. Wenn ich vorher gar nicht weiß, um was es gehen wird (weil ich z. B. gar nicht damit gerechnet habe, die Person zu treffen, oder weil man das eben bei informellen Gesprächen vorher nicht so festlegt) komme ich eher ins „Schwimmen“.

    Wenn ich jemanden nur einmal treffe, ist es mir egal, da gebe ich mir auch nicht viel Mühe. Ist es jemand, mit dem ich öfter zu tun haben werde oder will gebe ich die Info „Autist, bitte nicht wundern“ relativ frühzeitig raus.

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    1. Also wenn du mich fünf Stunden unterhalten willst, wird das garantiert ein Monolog für dich. *grins Hoffe du wärst dann auch nicht zu enttäuscht, wenn ich irgendwann einfach gehe. Vielleicht komme ich nach zwei Stunden wieder…
      Unterwegs, da ich ja fast ausschließlich MIT Hund unterwegs bin, ist das eben oft DAS Thema und dazu kann ich noch was sagen.
      Auf dem Amt, kommt es darauf an, zum Beispiel Pass beantragen, okay DAS ist ein fester Ablauf, wo ich im Grunde nur Formulare ausfüllen muss, aber zum Beispiel ein Beratungsgespräch bei der Bank… Ich verstehe nur Bahnhof…
      Okay, wenn du das immer dazu sagst, dass du Autist bist, wird dein Verhalten vielleicht eher verstanden. Ich sage das in der Regel nicht.

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      1. Enttäuscht nicht. Ich würde mir wahrscheinlich denken Ups. Wieder jemanden zu viel gelangweilt.

        Für Beratungsgespräch bei Bank, Versicherung usw. lasse ich mir grundsätzlich vorher die Unterlegen zuschicken, d.h. ich gehe schon vorbereitet hin, habe eine Vorstellung was ich will, und bin eher da, um noch letzte Fragen zu klären. Ein Versicherungsvertreter, der das nicht zu tun bereit ist, wird mir keine Versicherung verkaufen (und auch kein Gespräch mit mir führen). Wenn dann im Gespräch Zusatzangebote kommen von denen vorher keine Rede war, gibt es von mir auch nur „Schicken Sie mir das zu, ich schaue es mir an und melde mich wieder, wenn ich Bedarf habe.“ Es geht mir dabei nicht nur darum, dass ich im Gespräch u.U. unvorbereitet nicht folgen kann, sondern zusätzlich auch darum, dass mir meine Zeit dafür zu schade ist.

        Ich sage es meistens in Zusammenhang mit einer Variation von „Unterbrich mich bei Bedarf (und zwar deutlich), denn ich kann nur entweder dem Gespräch folgen ODER merken wenn du dich langweilst, aber nicht beides gleichzeitig“ – eben weil ich so sehr zum Monologführen neige.
        Bei uns in der Familie hieß es dann früher immer „Danke, Data!“ als Signal „jetzt mal Mund halten und den anderen auch was sagen lassen“.

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        1. Du, mit Langweilen hat das gar nichts zu tun, ich komme einfach selbst im interessantesten Gespräch an einen Punkt, wo ich mich nicht mehr konzentrieren kann und abdrifte. Stell dir vor, wir würden uns auf einem Event treffen und du zeigst mir deine Pferde und erzählst mir darüber. Also DAS Thema würde mir mit Sicherheit nicht langweilig werden, aber das Gespräch doch irgendwann so anstrengend, dass ich zumindest eine Pause brauche.

          Versicherungen, Banken… Das ist ein echtes Problem, man kann mir auch vorher die Formulare schicken. Ich starre darauf und mein Hirn macht dicht! Ich verstehe die Dinger einfach nicht, das hilft mir also nicht.

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          1. Das stelle ich mir sehr stressig vor mit den Formularen! Mir geht’s da eher andersrum, ich finde Formulare sehr klar und schön, weil da genau draufsteht, welcher Input gewünscht wird. Im Gespräch habe ich da oft das Gefühl, dass ich raten muss.
            Also, vieleicht blödes Beispiel weil so häufig dass eigentlich klar, aber: Wenn auf dem Formular stehen würde „Hast du eine Uhr?“ wäre die gewünschte Antwort „Ja“ oder „Nein“: Im Gespräch ist die gewünschte Antwort dann aber auch schon mal „19:28 Uhr“. Insofern fühlt sich Formularausfüllen für mich schön logisch an.

            Meistens gehen Leute m.W. aber weil sie sich langweilen, ob ich nun erkennen würde, dass das bei dir einen anderen Grund hatte, bezweifle ich. Wenn ich dir auf einem Event begegne und weiß, dass du du bist, würde ich dir aber wahrscheinlich eher ganz unverschämt eine Bürste und ein Pferd „in die Hand drücken“ statt mich zu unterhalten. Wir sind ja im Normalfall nur zwei Menschen aber drei Pferde.

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            1. Leider sind auf Formularen nicht nur Fragen und schon gar nicht so einfache. Es fängt schon an beim Anschreiben, auch, wenn es in holländisch ist, sage ich mal „Beamtendeutsch“ eben. Ich bin für jegliche Amtssprache völlig ungeeignet, das ist nicht meine Welt. Nach zwei Sätzen frage ich mich: was wollen die eigentlich von mir??

              Die Lösung mit dem Pferd dagegen wäre genial! DAS würde mir natürlich gefallen, striegeln, den Puls und die warme Haut spüren, eine nasse Nase, die mich im Nacken streift und… Ab und zu eine Bemerkung oder Frage… Jap, das passt.

              Wie ist dein Mann so in dieser Beziehung? Redet er gerne und / oder viel?

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              1. Kommt bei ihm extrem aufs Thema an. Bücher, Geschichte oder Pferde: Gern *und* viel. Alles andere: Eher einsilbig. Das passt, denn über Bücher, Geschichte und Pferde rede ich in der Regel auch gerne. Und deiner?

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                1. Meiner redet gerne über Gott und die Welt… MORGENS… Die Zeit wo ich am Liebsten ganz schweige, ich rede lieber Abends… Wir haben uns also auf Mittag geeinigt *LoL
                  Wir können aber generell ganz gut zusammen schweigen, was zum Beispiel seine Schwester so gar nicht verstehen kann… Sie und ihr Mann labern echt den lieben langen Tag, da würde ich verrückt werden.

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                  1. Morgens gibt er mir zum Glück meistens nur Anweisungen. Ich bin die ersten paar Stunden nach dem Aufstehen meistens nicht wirklich kommunikationsfähig. Wenn wir irgendwie auf Events unterwegs sind geht das nicht, dann müssen wir uns um die Orga unserer Truppe kümmern, aber das geht bei mir dann wieder besser, weil ich da eine feste Aufgabe und Liste zum Abarbeiten habe.
                    Vom Morgens/Abends her passen wir auch ganz gut zusammen, er wacht auch erst später so richtig auf, aber ich glaube bei ihm merkt man das deutlich weniger als bei mir.

                    Lustig, so eine Schwester samt Schwager hat meiner auch. … Da hängt auch noch ein Neffe dran. (Allerdings ist meine Schwester da auch nicht besser.)

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                    1. Dann vertreten wir die stille Zunft unter quasselnden Verwandten. Wenn mein Mann einen kompletten Tag bei seiner Family war und nach Hause kommt, ist er platt und hat Kopfschmerzen, ist er einfach nicht mehr gewöhnt.
                      Wir haben aber generell gut strukturierte Tagespläne, sonst würde ich nicht so klar kommen. Also so wie manche Menschen leben, morgens aufstehen und dann erst nachdenken… WAS MACHEN WIR DENN HEUTE? Da könnte ich gleich im Bett bleiben.
                      Kannst du gut spontane Sachen machen?

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                    2. Spontan – ganz schlecht. Ich mache zwar öfter etwas scheinbar spontan oder reagiere dann „spontan“ wenn der ursprüngliche Plan nicht klappt, das sind aber in Wahrheit vorgefasste Ausweich- und Notfallpläne, die dann umgesetzt werden, nach dem Prinzip IF > THEN, ELSE. Ist ein solcher nicht vorhanden oder auch nicht ausführbar, hänge ich ganz schnell. Es gibt dann ein paar Sachen, die ich „spontan“ einschieben könnte, nur gehen die dann meistens gerade auch nicht. Dann mache ich eben gar nichts, bis ich wieder auf den vorgesehenen Tagesplan zurück kann oder der Tag rum ist. Im Nachhinein ärgere ich mich meistens über die verlorene Zeit.

                      Wir haben für einen normalen Tag unseren normalen Ablauf, das gibt dann kleine Variationen – arbeite ich von zu Hause, gehe ich mit in die Bibliothek, z. B. – bzw. wenn ich alleine bin habe ich eh meinen Ablauf. Da fällt mir eine Änderung auch wirklich sehr schwer, wenn eine notwendig wird.
                      Wenn wir auf Reisen sind, geht es etwas besser, da bin ich von vorneherein darauf eingestellt, dass ich mit plötzlichem Umdisponieren rechnen muss. Das geht aber nur kurzfristig, spätestens ab dem dritten Tag ist Schluss. Auch ein Grund, warum es bei uns meist Kurzreisen gibt.
                      Wenn das Reenactment chaotisch wird, halte ich das Wochenende durch (Aufgaben abzuarbeiten, Anweisungen auszuführen…), danach brauche ich dann aber erst mal eine Weile wirklich meinen strikten Ablauf, um wieder aufzutanken. So richtige böse chaotische kommen zum Glück eher selten vor, und beim letzten Mal haben wir dann unsere Teilnahme auch abgebrochen, das war sogar ihm zu viel.

                      Meine Familie ist zum Glück größtenteils pflegeleicht was das betrifft (nicht nur wegen der hohen Autismusquote sondern auch weil wir eine echte Großfamilie waren/sind, und da sind durchorganisierte Abläufe einfach notwendig).
                      Seine.. ich sag mal so: Wenn er es nach eigener Aussage nicht schafft, mehr als ein paar Stunden am Stück mit seiner Familie zu verbringen, was soll ich da erst sagen? Sie sind jetzt nicht schrecklich unangenehm oder unfreundlich oder so, aber einfach sehr *anstrengend*.

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                    3. Du sprichst mir aus der Seele! Genau so halte ich das auch.
                      Im Prinzip haben wir gesamt einen festen Plan für die ganze Woche, wobei die Arbeitstage ziemlich gleich ablaufen, das fängt schon morgens an in genauer Reihenfolge vom Zähne putzen, bis zum Kaffee kochen, da stimmt einfach jedes Detail.
                      Außergewöhnliche Termine, vor allem unschöne muss ich gut eine Woche vorher wissen, damit ich im Kopf damit klar komme. Das lustige dabei ist, wenn so ein unschöner Termin kurzfristig ausfällt… Normalerweise sollte Mensch sich dann einfach freuen und die Zeit schön nutzen, aber das gelingt mir dann auch nicht. Erst komme ich mit diesem blöden Termin nicht klar, dass ich ihn machen muss, dann hat mein Kopf endlich nach einigen Tagen manifestiert, dass ich ihn machen muss und dann fällt es mir genauso schwer, wenn er ausfällt… DAS muss man erst mal verstehen… Ich habe dann auch Plan B… Einen andere blöden Termin, der immer geht… Einkaufen… Und somit passt das System dann wieder.
                      Mein Mann muss auch immer gut aufpassen, was er so äußert, zum Beispiel… Wir KÖNNTEN nächste Woche Dienstag ja mal in’s Kino gehen… Kommt gar nicht gut! Mein Hirn speichert dann bereits, wir GEHEN Dienstag in’s Kino und ich stehe bereit! Und wehe ER hat es vergessen… Trauerspiel!

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                    4. OH ja. „Wir könnten…“ Graus. Entweder wir tun es oder wir tun es nicht. Und wenn man auf „Wir könnten ja mal wieder X machen“ antwortet mit „Können wir, leg‘ einen Termin fest“ überfordert man den anderen dann schon wieder. „So genau kann ich das nicht sagen.“ oder „Ich kann mich da nicht so lange im Voraus festlegen.“ Warum bitte nicht? Das kann so schwer doch nicht sein?
                      Mein Mann hat damit zum Glück keine großen Probleme. Er war sogar etwas „angefressen“, als ich überrascht war, dass er eine generelle Absprache (die sogar mit „wenn es passt“ eingeschränkt war) zuverlässig und ganz von selbst eingehalten hat.

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                    5. Glück gehabt…
                      Ich sage bzw bitte MANN immer und immer wieder aufs Neue: Werfe nichts in die Runde was ungewiss ist!
                      Ich kann damit nichts anfangen, es bringt mich nur durcheinander…
                      Kann doch nicht sooo schwer sein!

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                    6. Ja… gibt allerdings genug andere Leute, die das nicht können. Besonders schlimm, wenn das Leute sind, mit denen ich arbeiten muss.
                      Ich habe auch schon einmal einer Person direkt mitgeteilt, dass ich keinen persönlichen Kontakt mehr möchte, weil sie mir zu anstrengend ist, da sie jede Abmachung als „grobe Richtline“ oder Vorschlag behandelt. War ihr komplett unverständlich, sie zog beleidigt ab und stand einige Tage später wieder da, verstand gar nicht, dass es mir damit ernst war.

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                    7. Menschen verstehen oft nicht wo mein Problem ist und das ist ein Problem…
                      Aber, wie ich feststellen musste, haben auch andere Menschen Probleme mit der Wörtlichkkeit. Letzte Woche hatten wir einen Handwerker, der entstand auch ein toller Dialog ….

                      Haste mal ein Bier?
                      Saufen kannst du zu Hause, hier wird gearbeitet…

                      Fünf Minuten später, als ich zurück kam, war der Typ echt verschwunden… Dumm gelaufen…

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                    8. Zu Handwerkern und Bier würde mir auch einiges einfallen…
                      Ich versteh‘ aber nicht, was so schwer dran ist… Ich habe Jahrelang meine Bilder über eine örtliche Gallerie restaurieren lassen. Die schickten das an einen Restaurator, irgendwann kam es wieder. Dann immer öfter – ich sag (nach Kostenvoranschalg): X und Y mit machen – Bild kommt zurück, X und Y ist nicht gemacht. Galleristin: „Das war doch zu teuer, das war das Bild nicht wer.“ Was hatte ich gesagt?? Oder ich sage: „Erst Kostenvoranschlag geben“ – Bild kommt zwei Wochen drauf restauriert zurück weil „Ist ja nicht teuer gewesen“.
                      Oder ich: „Ich finde dieses (gerade angebotene) Stück schon schön, würde es aber nur kaufen, wenn ich mal einen Monat lang gar nichts anderes finden würde, weil es nicht so 100% in die Sammlung passt. Sie müssen das nicht zurücklegen.“ – vier Wochen drauf werde ich gefragt wann ich denn das Bild nun abhole.
                      Ich eröffnete der Dame vor 10 Tagen, dass ich meine Restaurationen künftig anderswo machen lassen werde. Sie fiel aus allen Wolken, ihr war scheinbar gar nicht klar, dass sie meine Anweisungen nicht ausführt…

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                    9. Ich bin mir ziemlich sicher, die Dame hatte in ihrem Kopf folgenden Satz: Man kann ihr aber auch nichts recht machen…
                      Aber Handwerker ist ja gegenwärtig schon wie DHL, man freut sich, wenn sie überhaupt kommen… Allerdings können sich Handwerker natürlich auch stets mehr so ein Verhalten leisten, sie werden rar.

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                    10. Die Dame fing an, bitterlich zu weinen (ernsthaft!) und ich dachte mir „Das hilft dir jetzt auch nichts, ich hab dich oft genug dran erinnert, dass das nicht das war, was ich wollte“.
                      Handwerker – zum Glück kann ich sehr vieles selbst machen, sodass ich schon abwäge, investieren ich lieber die Zeit oder die Nerven? Bin auch sehr froh, dass ich einige Handwerker in meiner Nähe habe, die richtig gut sind, auch vom stressfreien Ablauf her. Die kosten natürlich gleich das Anderthalbfache, aber wenn ich dann „Geld + Nerven = Gesamtsumme“ rechne, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass es den höheren Studnenlohn wert ist.

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    2. Irgendwie reflektiert ihr mich, aber ich bin kein Autist, und oft geht es mir genauso.
      Und wenn ich gar nix mehr kapiere, gucke ich dann dumm wie ein Auto. Krieg auch kein Satz aus mir raus.
      Mit der Zeit hab ich gelernt damit umzugehen, und wirke normal auf andere Leute, die innere Anspannung sieht man mir nicht an. Nur wenn ich nichts mehr sagen kann und mein Dummgesicht bekomme, wundern sich manche schon.
      Hin und wieder falle ich in mein Mutismus, bin völlig angespannt, verkrampf und mag mich nicht mal mehr bewegen. Dann zu Hause, ist es wie eine Erleichterung, wenn alles von mir abfällt.
      Auf Dauer ständig unter Menschen, vor allem viele Menschen, ist der Horror, das ist dann Stress pur, weil man nicht so sein kann wie andere.
      Aber immer wenn ich alles überstanden habe, Ämter, Ärzte oder sowas, dann sage ich mir immer: Siehst du, es ist nix passiert , du hast es überlebt!

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      1. Kann ich gut nachvollziehen. Mir fallen manchmal auch nach Stunden zu Hause erst die Antworten ein, die mir im Gespräch einfach fehlten. Oder… Ich realisiere nach Stunden überhaupt erst, was der andere alles gesagt hat. Mein Gehirn speichert die Informationen also schon irgendwie ab, aber ich kann sie im Moment, wo sie nötig wären, oft nicht abrufen.

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  2. Hab mich bisher noch nie mit diesem Thema befasst, denn kenne in meinem Umfeld auch keine Autisten… oder erkenne es vielleicht auch nur nicht?¿
    Aber unheimlich interessant was du hier schreibst… DANKE!👍🍀

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  3. Ich habe jetzt deinen Blog, samt allen Kommentaren durch, die es bisher gab. Sehr interessant und absolut verständlich geschrieben. Auch euer Austausch hier zeigt, wie ähnlich und doch unterschiedlich alles sein kann.
    Für Leute, die mit der Materie nichts oder nicht viel zu tun haben, gibt es ein wenig Einblick. Danke!

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    1. Oh mein Gott, jetzt dachte ich im ersten Moment schon, du hast 1500 Beiträge samt aller Kommentare gelesen… Hiiiilfe…
      Aber jetzt habe ich es verstanden 🙂 Glaube, du hast da nicht so Probleme mit Sozialverhalten oder? Was ich so von dir lese, bist du ja eher ein sehr offener Mensch.

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      1. *lächel*
        Nee, ich habe keine Probleme – zumindest meistens nicht.
        Es gibt tatsächlich aber auch „Gruppen“, in denen es mir schwer fällt, mich zu öffnen und mich wohl zu fühlen. Das merke ich meist sehr schnell und halt mich dann auch zurück. In manchen finde ich mich später dann doch noch ein, wenn ich eine Weile die „Beobachtungsposition“ durch habe und weiß, ob es evtl. doch passt. In manchen will ichs dann erst gar nicht versuchen.
        Im Allgemeinen aber, kann ich ganz gut auf andere zugehen und finde mich auch schnell in Gesellschaften ein.
        Da habe ich mich sehr verändert, als Kind, Jugendliche und auch noch als junge Frau, sah das bei mir ganz anders aus. Fehlendes Selbstbewusstsein war mein Problem.

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          1. Ja wirklich, aber meist ist ja auch alles gut. 🙂
            Es gibt tatsächlich real wenige Gruppen, bei deren Treffen ich teilnehme, weils einfach „dazu“ gehört bzw. sein muss, in denen ich mich nicht immer ganz wohl fühle. Man merkt es mir dann aber auch nicht unbedingt an, wenn man mich nicht näher kennt.
            Manchmal sind diese Treffen für mich anstrengend und manchmal wieder sind sie wider erwarten auch ganz schön und locker.

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          2. Mit den Jahren habe ich dazu gelernt. Meine ältere Schwester, bei der ich in meiner Ausbildungszeit gewohnt habe, hat dazu viel beigetragen – heute sind wir wie gute Freundinnen, wo die eine der anderen hilft, zuhört usw., obwohl wir 10 Jahre auseinander liegen vom Alter her. Ich habe gelernt, mich so zu akzeptieren wie ich bin und gelernt, mich selbst zu mögen. Ich habe gelernt, hinter dem zu stehen, was ich mag, was ich möchte, was ich lebe und dass andere Menschen kein „Hexenwerk“ sind, sondern auch alle ihre Schwächen haben. 🙂

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              1. *lächel* … ja, man merkt, dass du so mit dir schon zufrieden bist – finde ich – und dass du dein Leben durchaus auch liebst.
                Schön, dass es beim Schreiben so gut klappt, das ist doch etwas ganz fantastisches bzw. ein fantastischer Ausgleich. Oder?

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  4. Also ich kann Dir versichern, dass Du es verständlich schreibst und ich diese Beiträge sehr interessant finde. Man kann viel daraus lernen und bekommt Eindrücke, die man sonst nie bekommen hätte. Danke dafür.

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