ANNA 4…

Anna Teil 1

Anna Teil 2

Anna Teil 3 

So war selbst dieser Tag heute auch für Anna etwas Besonderes, auch wenn es eine Beerdigung war, sie durfte wieder raus. Die letzten Worte waren gesprochen, Beileidsbekundungen ausgesprochen, Blumen und Erde geworfen, die Masken fielen, das Schauspiel war vorbei!

Nur eine einzige Person stand noch immer wie versteinert am Grab, der einzige Mensch, der wirklich trauerte… Maria, Anna’s Stiefschwester, sie war 16 Jahre alt und bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, welche sie liebte wie ein eigenes Kind. Jetzt… war sie allein! Anna setzte große Hoffnungen auf diese Tatsache, dachte, wenn Maria nun zu ihren Eltern ziehen müsste, würde sich vielleicht auch für sie etwas ändern, aber sie hatte sich getäuscht.
Maria weigerte sich und zog sofort in ein Internat. Das war’s, auch diese Hoffnung geplatzt, Anna war und blieb sich selbst überlassen, ein kurzer kühler Abschied und Maria war weg.

Die Tage reihten sich aneinander, einer so beschissen wie der nächste, für Anna wurde das Leben immer unerträglicher. Sie verkroch sich mehr und mehr in ihre Phantasiewelt und in ihre Bücher, sie hatte nichts anderes. Ein ständiger Wechsel zwischen Realität und Wunschträumen, welche sie möglichst nicht mehr verlassen wollte, die Grenzen begannen zu verschwimmen.

Manchmal wusste sie selbst nicht mehr spielte sie wirklich gerade Russisch Roulette mit einer Horde besoffener Männer, schaute sich ekelhafte Pornos an oder spielte auch das sich nur noch in ihrem Kopf ab?  Nein!  Es war die Wirklichkeit, die grauenhafte stinkende Realität, aus der sie einfach nicht raus kam und so spielte sie zwangsläufig eben die Hauptrolle in einem miserablen Film, so wie seit jeher.
Und doch begannen die Dinge sich zu ändern…

Anna war nicht mehr das kleine brave Mädchen von einst, das kuschte und sich fürchtete, im Gegenteil, aggressiv war sie geworden, eine Bösartigkeit machte sich breit, welche sie mittlerweile selbst erschreckte. Sie mochte sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen, nicht nur ihr grün und blau geprügelter Körper widerten sie an, Anna begann sich selbst zu hassen und fing langsam aber sicher an sich selbst zu zerstören.

Irgendwann war alles so egal geworden, egal ob sie lebte oder sterben würde, sie konnte sich kaum noch spüren, hatte nichts mehr zu verlieren.
Wehrhaft wurde sie, spielte ihm immer öfters üble Streiche und konnte sich fast genauso sadistisch darüber freuen, wie er es tat.
Eines Tages zerrte er sie in den Garten, warf sie in ein tiefes Erdloch und begann es zuzuschaufeln, bis sie fast erstickt war. Er nannte das Erziehung, eine letzte Warnung in Zukunft Gehorsam zu zeigen, doch auch dies zeigte keine Wirkung mehr.
Anna hatte ihre Angst vor dem Tod verloren und er somit seine Macht über sie!

Anna wollte nur noch, dass es aufhört… Irgendwie!
So griff sie eines Abends zur Waffe und richtete sie gegen IHN, sah direkt in seine kalten Augen, feine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, er roch förmlich nach purer Angst.

Doch genau in diesem Moment wurde ihr eines klar:
SIE wollte nicht so sein, wie ER! Anna war so schrecklich leer, dass sie nicht einmal mehr hassen konnte und so lies sie die durchgeladene Waffe einfach zu Boden fallen.
Ein lauter Knall durchbrach die gespenstische Stille, ein Schuss hatte sich gelöst. Unbeabsichtigt hatte sie ihn getroffen, wenn auch nur in’s Bein, aber das nahm sie bereits gar nicht mehr wahr.

Am nächsten Tag war Anna verschwunden….

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22 Kommentare zu „ANNA 4…

    1. Ja auch ER wurde sicher so geformt und genau darum ist es so wichtig solche Ketten zu durchbrechen um nicht immer mehr solche Generationen von Gewalttätern zu schaffen. Das ist schwierig, aber möglich, eine schlechte Kindheit rechtfertigt nicht später gewalttätig gegen andere Menschen vorzugehen. Da steht jeder Mensch irgendwann in der Eigenverantwortung.

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  1. Ich hab mir Heute die Geschichte von Anna durchgelesen – sehr traurig.
    Auch wenn dies nur eine Geschichte ist, es gibt sehr viel Anna´s und auch
    kleine Jungen, die so etwas ähnliches erleben. Sie werden verstoßen und
    können selbst nichts dafür, sie wollen alles richtig machen und verlieren
    ihre eigene Identität, ihre normale Kindheit. Was soll aus solchen Kindern
    später werden. Können sie jemals eine Familie gründen, zutrauen
    zu Menschen finden? Ich hoffe, das diese Geschichte nicht im Chaos endet
    und sie sich selbst etwas antut.

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    1. Das kommt sicher darauf an wie stark ein Mensch letztendlich ist und hängt auch viel davon ab welche weiteren Menschen später den Weg kreuzen. Gibt es jemanden mit Verständnis, der einem auffängt und neue Wege zeigt, kann man ein neues Leben finden, auch, wenn solche Erlebnisse immer prägend bleiben werden.
      Anna’s Geschichte endet hier, jeder kann sich selbst sein Happy End daraus machen.

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  2. Ich hab mir eben die anderen Anna-Teile durchgelesen. Es ist traurig und entspricht auch der Wahrheit. Leider geht es vielen Kindern so .
    Auch wenn die Geschichte hier zu Ende ist, die Psyche und die Seele von Anna ist zerstört. Sie macht jetzt Therapie, ist in ein schönes Heim gekommen wo die Erzieher nett sind. Lernt endlich andere Kinder kennen und nimmt Stück für Stück von der Welt wieder wahr. Sie wird ein glücklicher Mensch, studiert und wird Psychologin , um anderen Kindern zu helfen.

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  3. Was für eine unsägliche Geschichte, und doch wohl nur ein schwacher Wiederhall dessen, was die Annas dieser Welt (und auch so manche Jungs) durchmachen müssen… Und was muss man erlebt haben, um so etwas schreiben zu können?!?
    Danke für den traurig anregenden Blick auf einen Teil unserer Wirklichkeit!

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