abc.etüden, die 11te… 

Erneut bin ich der Einladung von Textstaub gefolgt.

Drei Worte, zehn Sätze, eine „Kürzestgeschichte“…

Die Wortspende stammt diese Woche von der Autorin Melanie Coupar. 

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Ihr Lächeln war teuflisch, wie sie genüßlich an ihrem Champagner nippte, ein Tropfen sich langsam über ihre verführerischen, rot geschminkten Lippen schlengelte. Mit dem letzten Bissen der köstlichen Meeresfrüchte wanderte auch dieser in ihren Mund. 

In ihrer Phantasie lag Julia bereits am Pool ihrer Villa in Kalifornien, nein, sie würde sicher keine Probleme haben das anstehende Millionenerbe zu genießen. 

Ihr Plan war hervorragend, innerlich beglückwünschte sie sich bereits selbst, es würde kein Urteil geben. Ein alter geiziger Mann war einfach gestorben, das Gift war nicht nachzuweisen. Für sie als Apothekerin ein leichtes Spiel. Wie sie es hasste, der ewige Mief von Bottrop’s Vorstadt, eine Frau wie sie verdiente Partys, schöne Kleider, eine Villa am Meer…. 

Der letzte Schluck war genommen, die Hängematte schaukelte sanft im Takt ihrer Liebeskugeln, als ihr heiß und heißer wurde. Ein letzter Blick auf ihr Glas, die Markierung erkennend und die Gewissheit, es war zu spät. 

Der Tod schloß sie fest in die Arme, während Ricardo entspannt am Fenster stand mit einem zufriedenen Lächeln…. 

Bild by Textstaub

abc.etüden die 10te….

Textstaub hat erneut eingeladen eine „Kürzestgeschichte“ aus drei vorgegebenen Wörtern zu verfassen.
Spenderin der Worte war dieses Mal Westendstorie.

Völlig benommen erwachte sie im fahlen Licht des Mondes. Suchend schaute sie sich um. Wo war sie, was war passiert?  

Noch immer trug sie ihr wunderschönes, wallendes, schneeweißes Gewand, welches im Licht der Nacht doch fliederfarben schien. Der schönste Tag ihres Lebens sollte es werden… 

Wo war Daniel, IHR Daniel?  Der EINE und einzige mit dem sie stets in’s Land der Phantasie entfliehen konnte, mit dem sie Luftschlösser baute oder sich spontan zum Sternenwandern traf…. 

Bereit alles für ihn aufzugeben, ihm bis an’s Ende der Welt zu folgen. 

Bruchstücke der Erinnerung fraßen sich durch ihre schweren Gedankengänge und wie ein Hall klang noch immer dieser eine verhängnisvolle Satz ihrer Mutter in ihren Ohren, der ihr Leben zerstörte: „Nein Melanie, du darfst ihn nicht heiraten, er ist dein Bruder….“ 

Bild by Textstaub